ZEITGENÖSSISCHE KUNST„Drei Farben – Rot“ : Das Flüstern der Schwestern

Klaus Büstrin

Es ist die Farbe Rot, das Symbol für Liebe, aber auch für Hass und Gewalt, mit der sich Künstler wie der Spanier José Noguero (Abb.) auf Spurensuche nach „Brüderlichkeit“ begeben haben – das verbindende Thema der XV. Rohkunstbau-Schau in der Villa Kellermann am Heiligen See. Zehn Beiträge zeitgenössischer Kunst aus Deutschland, Russland, der Schweiz, Israel, Spanien und Großbritannien sind dort zu erleben.

Auch dieses Mal geht es um die „Ortsbezogenheit“ der Arbeiten, wie der künstlerische Leiter Arvid Boellert sagt. Den „morbiden Charme“ der um 1913 für den kaiserlichen Zeremonienmeister Hardt erbauten Villa hätten sich einige der Künstler zunutze gemacht. So untersucht Bettina Pousttchi mit einer Kamera die Farbe Rot, die sich ständig verändert, auch in der Form. Man schaut wie in ein Mikroskop und erkennt schließlich einen Blutstropfen.

Cornelia Renz erzählt in einem an Comics erinnernden Triptychon tiefgründig und in aggressiven Szenen von dem „Fest der Vernunft“, das die französischen Revolutionäre 1789 ihrem Land verordneten und bei dem sie jeglichen Religionen den Garaus machen wollten. In die bundesrepublikanische Realität der siebziger Jahre begibt sich Brigitte Waldach: Aus dem Off hört man eine Stimme, die Passagen aus dem Briefwechsel der RAF-Terroristin Gudrun Ensslin mit ihrer Schwester flüstert. Die Künstlerin schrieb mit roter Farbe Zitate von Ensslin an die weißen Wände. Ihr Thema sei Schwesterlichkeit, sagt sie. „Es geht dabei nicht um eine ideologische Stellungnahme.“ Klaus Büstrin

Villa Kellermann, bis So 5.10.,

Do/Fr 14-19 Uhr, Sa/So 12-19 Uhr 7/5 €

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