Zeitung Heute : Zeitlose Schönheit

Rolf Brockschmidt

„Schön von Angesicht, Besitzerin des Glücks, ... Königin der Anmut“, so beschrieb der Pharao Echnaton vor 3300 Jahren seine geliebte Ehefrau Nofretete, die in der Tat eine besondere Frau gewesen sein muss. Dass der Pharao seinerzeit mit seiner in Stein gehauenen Lobpreisung nicht übertrieben hat, wissen wir seit Ludwig Borchardts sensationellem Fund in Tell el-Amarna, wo am 6. Dezember 1912 die Werkstatt des Bildhauers Thutmosis vom Wüstensand freigelegt wurde und eine Reihe von Modellbüsten offenbarte, darunter auch die wunderbar bemalte Kalksteinbüste der Nofretete. Wie kaum ein antikes Kunstobjekt hat sie seit mehr als 90 Jahren die Menschen in ihren Bann gezogen und in Berlin nach ihrer öffentlichen Präsentation im Ägyptischen Museum 1923 auf der Museumsinsel eine wahre Ägyptenbegeisterung ausgelöst, besondes bei der Damenwelt, die von der geradezu zeitlos schön geschminkten Königin fasziniert war.

Dass wir überhaupt Nofretete bewundern können, haben wir auch der Weitsicht eines Mäzens zu verdanken, der bereitwillig beträchtliche Summen investiert hatte, um Archäologen in Mesopotamien, Palästina und dann auch Ägypten ihre Arbeit zu ermöglichen. Dank des unermüdlichen Einsatzes von James Simon, dem Berliner Kaufmann, war es der Deutschen Orient-Gesellschaft überhaupt erst möglich, in Tell el-Amarna zu graben.

Nun zieht Nofretete wieder einmal um, innerhalb Berlins. Hat sie von 1967 bis heute 14 Millionen Besucher angezogen, so werden hoffentlich viele interessierte Gäste ihre Schritte jetzt zur Museumslandschaft am Kulturforum lenken, um sie dort bis zum 2. August in der Ausstellung „Hieroglyphen um Nofretete“ zu sehen. Damit dürften auch die anderen Museen im Umfeld von der Anziehungskraft der ägyptischen Königin profitieren. Vom 3. August an wird sie dann auf der Museumsinsel zu bewundern sein, rechtzeitig zum 175-jährigen Bestehen der Staatlichen Museen zu Berlin.

Wie Nofretete gefunden wurde, welche Faszination von ihr ausging und wer dieser großzügige James Simon war – das alles ist in dieser Beilage zu ihrem Gastspiel am Kulturforum nachzulesen. Ferner gibt sie einen Einblick in die laufenden und zukünftigen Sonderschauen der Einrichtungen am Kulturforum und informiert über eine Vortragsreihe aus Anlass des Jubiläums, die das Publikum durch die vier Hauptstandorte führt und die Bedeutung von Mäzenen untersucht.

So sehen wir jetzt Nofretete im neuen Kontext, in der Nachbarschaft der Kunst der letzten fünfhundert Jahre und des urbanen Potsdamer Platzes.

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