ZEITREISETHRILLER„Looper“ : Die Zukunft ist ungewiss

Foto: Concorde
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Zwei Männer, ein alter und ein jüngerer, sitzen sich in einem Diner gegenüber. Beide heißen Joe. Sie sind ein und dieselbe Person. Wie das? Nun, in „Looper“ geht es um Zeitreisen. Da kann man schon mal sich selbst begegnen. Der jüngere Joe (Joseph Gordon- Levitt), macht im Jahr 2044 die Drecksarbeit für das Verbrechersyndikat einer näheren Zukunft, in der Zeitreisen möglich sind. Mit der Knarre wartet er auf sein per Zeitmaschine in die Vergangenheit geschicktes Opfer, erschießt und beseitigt es.

Teil des lukrativen Deals ist allerdings, dass er irgendwann auch sein älteres Ich liquidieren muss. Genau dies misslingt, der ältere Joe (Bruce Willis in seinem zweiten Zeitreisefilm, nach „12 Monkeys“) überrumpelt ihn und flüchtet. Was für eine grausame Strafe auf das Versagen steht, hat er bei seinem besten Freund Seth (Paul Dano) erlebt.

Bis zur Halbzeit ist „Looper“ ein labyrinthischer, düsterer Science-Fiction-Thriller. Regisseur und Drehbuchautor Rian Johnson zeichnet ein pessimistisches Bild der Zukunft: Vom technologischen Fortschritt profitiert nur eine Elite, der Rest plagt sich mit geflicktem Krempel herum. Weite Teile der Städte wirken wie aufgegeben, in den Straßen vegetieren verwahrloste Massen.

Doch die Dystopie ist nur die Folie, vor der sich ein existenzielles Drama entfaltet. Denn Joe Senior hat Gründe, sich seiner Eliminierung zu entziehen: Er will den Lauf der Zukunft ändern. Um dies zu verhindern, nistet sich Joe Jr. bei der spröden Sara ein, die mit ihrem Sohn auf einer abgelegenen Farm in Kansas lebt. Emily Blunt ist großartig als in ein Netz aus Verlangen und Schuld verstrickte Mutter, der kleine Pierce Gagnon geradezu gespenstisch gut in einer Kinderrolle, wie man sie in dieser Ambivalenz seit langem nicht gesehen hat. Rian Johnson nimmt sich viel Zeit für die in betörend schönen Bildern eingefangene Scheinidylle auf dem Land.

„Looper“ überzeugt als faszinierender, spannender Hybrid, zwischen Film Noir, Südstaaten-Americana und Zeitreisethriller. Vor allem aber ist dies endlich mal wieder ein SF-Genrestück, zu dessen Gelingen ein originelles Drehbuch und ein brillantes Ensemble – Bruce Willis war lange nicht mehr, Joseph Gordon-Levitt überhaupt noch nie so gut wie hier – entscheidend beitragen. Dass der muntere Zeitebenenwirbel einer wissenschaftlichen Prüfung nicht standhält: geschenkt. Deswegen geht man schließlich ins Kino und nicht in eine Physikvorlesung. Brillant.Jörg Wunder

USA 2012, 119 Min., R: Rian Johnson, D: Bruce Willis, Joseph Gordon-Levitt, Emily Blunt

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