Zeitung Heute : Zentrum der Musica sacra

In der Friedenskirche erklingt Musik aus dem Markusdom

Mit goldglänzenden Mosaiken und diversen anderen Kunstschätzen reich ausgestattet, wird der nach byzantinischem Vorbild errichtete dritte Bau (ab 1063) der Basilika San Marco beizeiten zum Statussymbol für die Macht der Serenissima. Hier pflegt man den liturgischen Gesang, jubilieren Festgesänge zur Wahl der Dogen.

Da jedes der beiden Kirchenschiffe über eine Orgel verfügt, steht der weiteren Entwicklung der Doppelchörigkeit nichts im Wege. Die Stelle eines Organisten bzw. Kapellmeisters an S. Marco ist begehrt und reputationsfördernd. 1403 werden acht Knaben für die musikalische Ausgestaltung des Gottesdienstes eingestellt. Zum ersten „magister cantus“ wird Antonio Romano ernannt.

Der Dienstantritt des Flamen Adrian Willaert zum Kapellmeister von S. Marco (1527) erhebt die geistlichen wie profanen Musikfreudigkeiten der Stadt zu höchstem Rang. Willaerts Nachfolger Andrea und Giovanni Gabrieli entwickeln den stereofonen Raumeffekt weiter, indem sie Fanfaren und Trompeten an getrennten Stellen in der Kirche (beispielsweise auf den Umgängen der vier Pfeiler, die die Hauptkuppel tragen) postieren. Auch erhalten die Priester nun Unterricht in Choralgesang, wobei einer von ihnen zum „maestro di canto“ ernannt wird. Baldassare Donato ist der erste. Zum berühmtesten Kapellmeister von S. Marco avanciert Claudio Monteverdi. Er erneuert die Sitte der täglich gesungenen Messe im Stil des 16. Jh., vergrößert die Anzahl der Sänger und verbessert deren Qualität. Die Spieler, die bislang tageweise beschäftigt worden sind, erhalten fortan Jahresgehälter. Unter seiner Ägide tritt das mehrchörige Musizieren zurück und wird durch die Concertato-Praxis (Einsatz von Solostimmen) ersetzt.

Mit Eröffnung des ersten städtischen Opernhauses (1637) geht das musikalische Niveau an S. Marco rapide zurück.

Den durch die Kirchenoberen verursachten Reformstau und finanzielle Engpässlichkeiten durchbricht erst Giovanni Legrenzi. Erneuten Niedergang stoppt Baldassare Galuppi. Und heute? Beschränkt sich die Kirchenmusik auf ihre liturgischen Aufgaben. Namen von Weltgeltung sucht man unter den Maestri di cappella vergebens. Peter Buske

Friedenskirche, So 8. Juni,

17 Uhr: Ensemble Odhecaton

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