Zickenalarm : Carla Bruni und die sieben Zwerge

Einer der bekannteren Zickenkriege beginnt mit der eitlen, aber an sich harmlosen Frage an das Spieglein, Spieglein an der Wand. Wie der Krieg endete ist bekannt, nämlich tödlich für die böse Königin vor den Bergen, die hat ja auch angefangen. Nun kommen bei heutigen Zickenstreitigkeiten nur noch selten vergiftete Äpfel oder glühende Pantoffeln zum Einsatz. Aber die Warnung des Fall aus Grimms Land ist immer noch gültig: Meist fällt der Urheberin des Zanks der ganze Schlamassel auf die eigenen Füße. Was im Falle Carla Brunis wirklich schade wäre, hat doch die französische Präsidentengattin einen ausgesprochenen schlanken Fuß.

Die Brunis, also Carla und Gatte Nicolas Sarkozy, waren dieser Tage nach London gereist, um ein wenig zu shoppen und um Nicolas britischen Kollegen David Cameron und dessen Gemahlin Samantha zu besuchen. Man plauderte im Hause Downing Street No. 10, man lächelte gemeinsam in die Kamera, posierte schick (Carla) und praktisch (Samantha, die im sechsten Monat schwanger ist), man lächelte freundlich. Und Bussi links, Bussi rechts gab es auch zum Abschied.

Daheim in Paris setzte sich die Bruni vor das Spieglein, stellte die berühmte Frage, und das Spieglein antwortete mutmaßlich, dass da hinter den Wassern des Kanals, auf der Insel mit den Fußballzwergen, noch eine ist, die ganz apart aussieht und außerdem vier Jahre jünger ist, nämlich 39, als die Königin im Élysée-Palast. Bruni griff zum Apfel, der heutzutage ihre eigene Homepage ist und pestete gen England. Samantha sei so „eine Art Stilikone“, zack, da flog der erste Giftpfeil. Eine Art Stilikone ist so etwas wie eine Art Kompliment. Samantha pflege einen sehr „legeren, bodenständigen“ Stil, zack, der zweite Pfeil. Leger und bodenständig darf man bei der sehr modebewussten und sehr teuren Bruni wohl mit billig und provinziell übersetzen. Und die Tätowierung, die Samantha trägt, die, so Bruni, „aus ihrer Jugend“ stamme (zack, die Jugend, die vorbei ist), sei typisch für den „sehr legeren Stil“. Und rumms, ein Hieb. Nicht nur billig, nicht nur provinziell, sondern auch noch eine alternde Proll-Tusse. Dem Vernehmen nach hat sich Samantha Cameron, der eine Abstammung aus gutem Hause nachgesagt wird, noch nicht geäußert zu den Aussagen aus dem neureichen Hause Sarkozybruni. Kann aber noch kommen. Engländer und Franzosen haben derzeit, wie übrigens auch Italiener, nicht viel anderes zu tun und langweilen sich.Helmut Schümann

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