Zeitung Heute : Ziehen Software-Konzerne Rechte zu Lasten der Anwender an sich?

Markus Rimscha

Schon lange fühlt sich der Software-Anwender mit seinen Interessen alleine gelassen. So muss er sich vor Einschränkungen der Datenverschlüsselung fürchten, die seine vertrauliche Kommunikation unterbinden würden. In den USA soll so die Verbrechensbekämpfung unterstützt werden, als ob sich nur ein einziger Krimineller um so ein Verbot kümmern würde. Nun kommen neue Aspekte ins Gespräch. Es geht um Lizensierung und Patentierung von Software. Eines der Schlagworte heißt UCITA (Uniform Computer Information Transaction Act), ein in den USA heiß diskutiertes Thema.

Verbraucherschützer fürchten, dass Software-Konzernen unverhältnismäßig viele Rechte eingeräumt würden, zu Lasten des Anwenders. Der Anwender bekommt wichtige Teile der Lizenzbedingungen erst zu sehen, wenn er das Produkt bereits gekauft hat. So können die Hersteller ihre Verantwortung für fehlerhafte Software auf Null reduzieren. Bei der Quasi-Monopolstellung einiger Unternehmen hat der Anwender kaum Ausweichmöglichkeiten auf andere Produkte. Er muß also unliebsame Lizenzbedingungen akzeptieren, ob er will oder nicht. Ebenso können sich Software-Hersteller das Recht vorbehalten, ihre Produkte per Fernsteuerung auf dem Rechner des Anwenders zu deaktivieren.

Wie soll man sich vor solchen Zugriffen schützen? Man kann Linux auf viele Weisen sponsoren. Derartige Konzepte werden für ein weiteres Wachsen der Linux-Gemeinde sorgen. Hier wird nach dem open-source-Prinzip gearbeitet. Jeder kann nicht nur die Software frei verwenden und weitergeben, sondern hat auch Einblick in die Programmtexte. Produkte stehen so preisgünstig zur Verfügung. Fehler in Programmen werden schneller entdeckt. Linux spricht nicht nur Computer-Freaks an, sondern wird auch von großen Konzernen wie IBM oder SAP unterstützt. Auch die Frage, ob und wie Computer-Programme patentierbar sind, ist Anlaß für hitzige Debatten. Einerseits scheint klar zu sein, daß ein Patentschutz nötig ist. Schließlich möchte der Softwareentwickler ja von etwas leben, ebenso wie derjenige, der sich ein cleveres Problemlösungsverfahren ausgedacht hat. Andererseits tritt die Schwierigkeit auf, daß auch für triviale Verfahren Patente bestehen. Manchmal hat man das Gefühl, jemand hätte sich die Idee patentieren lassen, eine Leiter zu verwenden, wenn er auf ein Dach klettern will - und jetzt muß jeder Dachdeckerbetrieb Lizenzgebühren bezahlen.

Auch andere Patente können sich als Hemmschuh für die Entwicklung herausstellen. So ist das Verfahren, nach dem die gängigen TIF-Grafiken komprimiert werden, patentgeschützt. Wer Software entwickeln möchte, die diese Bilder verarbeiten kann, muss zahlen. Gerade die Entwicklung freier Software und der preiswerten Shareware wird so erschwert. Welcher kleine Softwarehersteller hat neben den finanziellen Mitteln schon das know-how, sich durch den juristischen Dschungel zu kämpfen?

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