Zeitung Heute : Zielgruppe: Doof - wer erträgt eigentlich das Frühstücksfernsehen? (Fernsehkritik)

Michael Burucker

"Mein Morgen", RTL. Um unterscheidbarer zu sein, gaben ARD und ZDF ihr gemeinsames Morgenprogramm auf. Nun sendet man zwar immer noch das Gleiche, dafür aber getrennt voneinander: Im "ARD-Buffet" brutzelt und bohrt es, im ZDF bedient "Volle-Kanne-Susanne" den Herd. Solch aufregende Vormittage ließen RTL eiligst mit einer Doppelspitze an der Hausfrauenfront kontern. Zwei hübsche junge Damen in hässlicher 70er-Jahre-Tracht forderten zum Einstand "Schluss mit dem Schnupfen", fragten sich, "Können Männer putzen?", diskutierten das brandneue Thema "Kinder und Karriere". Doch weist der Einheitsbrei am Morgen auch Unterschiede auf: Das ARD-Buffet hat sich wohnlich eingerichtet mit Topflappen und Zimmerpflanzen, zwischen denen schwäbische Moderatorinnen nebst einer Katze patrouillieren. Zielgruppe: Ikea-Freunde mit Halbtagsjob. Im ZDF setzen die Stylisten alles daran, aus Volle-Kanne-Susanne volle Kanne eine Gabi Bauer am Morgen zu schminken. Zielgruppe: Yoga übende grüne Witwen, die auf ihre Avon-Beraterin warten. Die RTL-Neuzugänge müssen in einer Billigdekoration hausen, die vermutlich Harry Wijnvoord übrig gelassen hat, und RTL-Talk- und Seifenoper-Berühmtheiten interviewen. Zielguppe: Am Sessel festgewachsene RTL-Zuschauer, die die nächtliche Wiederholung von Hans Meiser hinter und das "Familienduell" vor sich haben.

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