Zeitung Heute : Zierde im Frühlingsbeet

Beeindruckende Vertreter der Gattung Fritillaria sind Kaiserkronen und Persische Schachbrettblumen

Tassilo Wengel

Rund 150 Arten zählt die Gattung Fritillaria, die zur Familie der Liliengewächse (Liliaceae) gehört. Die bekannteste Vertreterin dürfte die Kaiserkrone (Fritillaria imperialis) sein. Schon seit dem Mittelalter gehört die prachtvolle Blume zu den eindrucksvollsten Pflanzen im Frühlingsgarten. Ihre Heimat reicht vom Südosten der Türkei über den Iran bis zum Himalaja, wo sie in 1000 bis 3000 Metern Höhe wächst. 1573 gelangten die ersten Zwiebeln der Pflanze aus Konstantinopel nach Wien. Drei Jahre später wurden sie blühend im Garten von Kaiser Maximilian I. präsentiert. Botaniker, Kaufleute und Gelehrte waren so begeistert, dass sie bereit waren, märchenhafte Preise für die Zwiebeln zu zahlen.

Einen wesentlichen Anteil an der Verbreitung der Pflanze in Europa hatte Carolus Clusius, ein flämischer Botaniker, der seit 1573 in Wien tätig war. Er gab Samen und Tochterzwiebeln an befreundete Botaniker und andere Interessenten weiter. So erhielt auch der Landgraf Wilhelm IV. von Hessen-Kassel, der ein begeisterter Pflanzenliebhaber war, 1576 Pflanzgut der Corona Regia, wie die Kaiserkrone damals genannt wurde. Vier Jahre später blühten in seinem Garten die ersten Kaiserkronen.

Doch die Zwiebeln waren selten und blieben teuer. So blieb die Kaiserkrone zunächst vor allem wohlhabenden Interessenten vorbehalten. Sie fehlte kaum in einem der fürstlichen Lustgärten und avancierte allmählich zur Prachtpflanze des Barock. Erst im Laufe des 18. Jahrhunderts gelangten Kaiserkronen allmählich in die Gärten ganz normaler Bürger.

Ein sonniger Standort sowie ein durchlässiger, nicht zu trockener und nährstoffreicher Boden sind die Voraussetzungen, damit die Pflanze dauerhaft bleibt und reichlich blüht. Unter diesen Bedingungen entwickeln sich aus den faustgroßen Zwiebeln zahlreiche mit lanzettlichen Blättern besetzte Blütenschäfte, die 90 bis 120 Zentimeter hoch werden. Als Krönung erscheint im Frühjahr ein Kranz von Glockenblüten, über dem sich ein Büschel spitzer Blätter erhebt. Für den Garten werden vor allem Sorten mit gelben, roten oder orangefarbenen Blüten verwendet.

Am besten kommen Kaiserkronen auf Staudenrabatten am Wege oder im Vorgarten zur Geltung, wo sie in Gemeinschaft von Frühjahrsblühern wie Hyazinthen, Tulpen, Narzissen, Blaukissen (Aubrieta), Schleifenblumen (Iberis sempervirens), Steinkraut (Alyssum saxatile) sowie höheren Stauden stehen, die nach dem Abblühen der Kaiserkronen die kahle Fläche mit ihren Blättern überdecken. Zu beachten ist bei der Auswahl der Begleitpflanzen auch deren Blütezeit. An die Kaiserkronen schließen sich Pfingstrosen im Mai, Taglilien je nach Sorte im Juni und Juli, Lilien je nach Art und Sorte von Juni bis September, dazwischen empfehlen sich die gelbblühenden Rudbeckien, schöne Blattschmuckstauden wie Funkien, Bärwurz, oder auch Gewürzkräuter wie Weinraute, Salbei oder Zitronenmelisse.

Nicht so häufig in Gärten zu finden ist eine andere Art der Gattung: die Persische Schachbrettblume (Fritillaria persica), die sich mit der Kaiserkrone hinsichtlich ihrer Wuchshöhe messen kann. Sie kommt von der südlichen Türkei bis zum westlichen Iran wild vor und wächst vor allem an felsigen Hängen in Lagen zwischen 700 und 2800 Metern Höhe. Der Blütenstand entwickelt sich im Mai aus einer großen Zwiebel und kann bis zu 80 Zentimeter hoch werden. Im unteren Bereich ist er von zahlreichen mattgrünen Blättern besetzt, im oberen Teil schmückt er sich mit zahlreichen braunen bis pflaumenfarbenen Glöckchen. Empfehlenswert ist die besonders wüchsige Sorte ,Adiyaman‘, zumal sie besonders gut winterhart ist.

Beide Arten werden wegen der optischen Wirkung nicht einzeln, sondern in Tuffs gepflanzt. Beste Pflanzzeit ist der frühe Herbst, damit die Zwiebeln bis zum Wintereinbruch noch genügend Zeit haben, Wurzeln zu bilden. Bei einem späteren Pflanztermin sollte die Fläche mit Laub oder Reisig abgedeckt werden. Die Pflanztiefe liegt je nach Größe der Zwiebeln bei 20 bis 25 Zentimetern. Nach etwa fünf Jahren sollten die Fritillarien verpflanzt werden. Während dieser Zeit haben sich in den meisten Fällen große Horste gebildet, die Folge ist eine mangelnde Blühwilligkeit. Das Verpflanzen geschieht am besten dann, wenn das Laub der Pflanzen abzusterben beginnt. Die Zwiebel wird nicht gelagert, sondern sofort an einem anderen Platz wieder eingepflanzt.

Empfehlenswert ist es, die Pflanzen im zeitigen Frühjahr kurz vor dem Austrieb und noch einmal zur Blütezeit zu düngen, am besten mit einem Volldünger. Im Herbst sollte die Pflanzstelle mit einer Schicht Kompost oder Düngertorf überzogen werden. Gut versorgt, werden die Pflanzen regelmäßig ihre attraktiven Blüten in großer Zahl entfalten.

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