Zeitung Heute : Zimmer mit Rundblick

Einige Tagungsstätten in Berlin bieten überraschende Aussichten

Maria Pütz-Willems

Von Maria Pütz-Willems

Der Bundeskanzler hält von hier seine Ansprachen, Showgrößen gewähren Interviews – und im Hintergrund ist immer das Brandenburger Tor zu sehen. Die beiden Präsidentensuiten im dritten und fünften Stock des Hotels Adlon Berlin erlauben einen sensationellen Blick auf das Tor, den Pariser Platz und die Linden. Da geht nicht nur Berlinern das Herz auf.

Solche Räumlichkeiten sind die besten Botschafter Berlins und schon tausendfach via TV in die weite Welt hinaus getragen worden. Der Blick auf die weltberühmten Sehenswürdigkeiten der Stadt erfreut aber auch so manchen Herrn im grauen Zwirn, der am Abend schon wieder ins Flugzeug steigen muss und keine Zeit für Muße an der Spree hatte. Dafür aber schnappt dieser vielleicht aus Ballsaal, Konferenzraum oder Suite noch Einprägsames auf. Viele Hotels haben beim Bau ihrer Tagungsräume nämlich das Kunststück vollbracht, aus ihnen heraus ein Stückchen Berlin entdecken zu können.

Die beiden Präsidentensuiten des Adlon zum Beispiel gehören zur Crème de la Crème und sind entsprechend teuer: Ab 7700 Euro mit Übernachtung muss man dafür auf den Tisch legen. „Günstiger“ sind das „Bundeszimmer“ und die „Bibliothek“. Die zwei von sechs privaten Arbeitssalons auf der „schönen“ Etage (Bel Etage) kosten „nur“ 2000 und 1000 Euro Miete pro Tag. Der Blick auf Pariser Platz und Brandenburger Tor bleibt.

Die etwas andere Atmosphäre

Trotz Arbeit ist Ambiente auch andernorts erwünscht: Das Grand Hyatt kann die „Sightseeing“-Neugier befriedigen. Von einer Seite des Ballsaals aus blicken die Gäste auf den Marlene-Dietrich-Platz und das Musicaltheater. Wer sehen und nicht gesehen werden will, steht an diesen Panoramafenstern richtig. Intellektuelle Überlegenheit mag in der „Bibliothek“ aufkeimen, inspiriert vom Blick zur Siegessäule hin. Innen reihen sich Bücher in dunklen Holzregalen. Ein großer Globus und ein leuchtendes „Nach-Tizian“-Gemälde sorgen für die etwas andere Atmosphäre. Justus Frantz pflegt hier mit Kammermusikern vor geladenen Gästen zu konzertieren: Raummiete ab 1400 Euro ganztags.

Eine gediegene Raumgestaltung ist auch in Mitte zu finden. Weil Meetings immer kleiner werden, buchen viele Unternehmen statt eines funktionellen Besprechungsraumes eine stilvolle Suite: Das Four Seasons Hotel Berlin, marmorner Ableger der kanadischen Luxushotelkette, empfiehlt für solche Zwecke die Präsidenten-Suite in der achten Etage, über Eck gelegen und mit einem Rundum-Balkon versehen. Den Kaffee trinkt man also in der Pause „open air“, mit Blick auf die Charlottenstraße, Französische Straße und den Gendarmenmarkt. Bis zu acht Personen finden an dem eleganten Esstisch Platz, in der kleinen Küche nebenan kann der Butler Drinks und Snacks zurechtmachen. Die Tagesmiete hängt unter anderem vom Konsum der erlauchten Gäste ab.

Die Tasse Kaffee im Foyer des Hilton Berlin, schräg gegenüber, kann sich hingegen auch ein Normal-Reisender leisten. Die verglaste Fensterfront gibt den Blick frei auf Karl Friedrich Schinkels Meisterwerke – das Schauspielhaus den Deutschen und Französischen Dom. Prinz Haakon von Norwegen genoss von hier aus den Blick auf den Deutschen Dom. Er buchte die „Honeymoon“ Suite – eine Maisonette-Wohnung im Art Deco-Stil samt Traumblick: Ein Rundbogenfenster, das sich über zwei Etagen erstreckt, rahmt den Dom prachtvoll ein. Oben schläft man, unten kann man Geschäftspartner zum persönlichen Plausch empfangen (mit Übernachtung ab 300 Euro). Die goldene Kuppel des Domes am Gendarmenmarkt sieht man auch noch vom Veranstaltungsraum im siebten Stockwerk des Westin Grand Hotels, obwohl dieses nicht mehr direkt am Gendarmenmarkt, sondern wenige Fußminuten entfernt in der Friedrichstraße steht.

Staunen in 120 Meter Höhe

Ein größeres Stückchen Berlin ergattert man aus dem brandneuen „Salon Panorama“ des Park Inn Hotel am Alexanderplatz. Das Hotel trug bis Jahresbeginn den Namen Forum. Seit dem 15. März wartet es nun in der 37. Etage mit einem neuen Konferenzraum auf. Das bedeutet arbeiten oder feiern, auf alle Fälle aber staunen in knapp 120 Metern Höhe. Die Fenster geben den Blick nach Nordwesten vom Scheunenviertel bis zum Prenzlauer Berg frei. Ein stimmungsvolles Plätzchen für 80 Dinner-Gäste oder 110 Personen beim Stehempfang. Der Salon ist allerdings auch in drei kleinere Abschnitte teilbar (Raummiete ab 900 Euro pro Tag).

Ganz Berlin liegt einem an der Spree zu Füßen. Die Penthouse Suite des Sorat Hotels Spree-Bogen Berlin im Bezirk Tiergarten gewährt den buchstäblichen „Postkartenblick“ auf das Regierungsviertel und das grüne Herz Berlins. Die 100 Quadratmeter-Residenz wartet für den Empfang der Gäste mit einem großen Galerie-Wohnzimmer auf sowie einem eigenen Konferenzraum, in dem zehn Personen in den türkisfarbenen Designer-Ledersesseln Platz nehmen können (Tagungspauschalen ab 65 Euro pro Person bei Gruppen von zehn bis 16 Teilnehmern plus Raummiete). Der 180 Grad-Rundblick reicht vom Funkturm bis zum Fernsehturm, über den Tiergarten und Schloss Bellevue bis zum Europa-Center – und von der Galerie erheischt man sogar noch einen Blick auf das drei Kilometer entfernte Brandenburger Tor.

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