Zeitung Heute : Zing

Pekingente mit Pfannkuchen

Bernd Matthies

Zing, Grolmanstr. 21, Berlin-Charlottenburg, Telefon: 3759 1339, täglich ab 11 Uhr geöffnet.

Hat mal irgendjemand behauptet, die West-City sei tot? Der Rummel, der rund um dieses Herzstück des alten Westens nach Ladenschluss ausbricht, beweist das Gegenteil. Sitzplätze in den meisten Restaurants sind ebenso rar wie die Parkplätze vor der Tür – doch die Gäste verteilen ihre Gunst ungleich. Klassiker wie „Florian“ oder „Zwiebelfisch“ scheinen unsinkbar, doch in anderen Betrieben geht es ruhiger zu, und alles kann sich jeden Tag ändern. Was sich vor allem ändert, ist die Qualität der Küchen. Entweder sind die Wirte von vornherein auf das schnelle Geld aus und nehmen es mit Billigfraß von ahnungslosen Touristen, oder die Qualität sinkt erst allmählich. Deshalb kann ich meine alte Empfehlung von „Mr.Hai & Friends“ nicht mehr aufrecht erhalten. Seit die Terrasse praktisch ganzjährig läuft, sind so viele Plätze hinzu gekommen, dass die Küche nicht mehr Schritt hält.

Als Ersatz bietet sich das „Zing“ in der Grolmanstraße an. Schlicht, dunkel, eng, also genau das, was eine Gegend braucht, in der die meisten Gäste Angst vor Licht, eingedeckten Tischen, Stoffservietten und Flaschenwein haben. Wer es schafft, im Halbdunkel die Speisekarte zu entziffern, der ist mir einen wichtigen Schritt voraus. Doch da ich ja nun dort gegessen habe, weiß ich, dass das Küchenkonzept der panasiatischen Mode folgt, mit einem klar chinesischen Schwerpunkt. Und: Falls die Küche dem Savignyplatz-Gesetz von der abfallenden Qualität folgen sollte, hat sie jedenfalls damit noch nicht angefangen. Hier wird handwerklich sauber gearbeitet und individuell gewürzt. Sogar die rituellen Saucen, süß-sauer, Soja mit Zitrone, Pflaumensauce zur Ente, fallen durch liebevolle Abstimmung auf. Und auch der Teig zu den Dim Sum, fast überall der große Schwachpunkt dieser Vorspeisen, ist angenehm dünn und klappt dennoch nicht schon beim Servieren auseinander; hier kommen sogar die gebackenen Dim Sum nicht aus der Fritteuse und schmecken deshalb knusprig leicht.

Ihnen kann ich’s ja sagen: Bei Peking-Ente schmelze ich dahin, prinzipiell. Um keine Grundsatzdebatten aufkommen zu lassen, heißt sie hier „Peking Style“, ist aber allen anderen mir bekannten Berliner Varianten weit voraus. Herrlich knusprige Ente ohne Gezadder, die Pfannkuchen hauchdünn, die Saucen ein Genuss. Das Hongkong-Rindfleisch fiel dagegen ein wenig ab, fast dezent in der Würzung und mit viel salzlos gekochtem Pak Choi nicht gut begleitet. Unter den Vorspeisen ragen die Dim Sum klar heraus, während mariniertes Hühner- und Rindfleisch zwar durch knackige Würzung überzeugten, aber doch etwas sehr trocken auf der Zunge lagen - auch hier ist ein gefüllter Pfannkuchen dabei, der einen Vorgeschmack auf die Ente vermittelt. Die Weinkarte wird keinen Sommelier von den Füßen reißen, aber immerhin gibt es ausgezeichneten trockenen Pfälzer Riesling von Christmann für 4,10 Euro (0,2 l), und das soll erst mal jemand nachmachen.

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