Zeitung Heute : Zu billig kommt teuer

Der Tagesspiegel

Berlins Finanzsenator wird von der Bahn bezahlt Ist das der Stoff, aus dem der Klüngel gestrickt wird? Der Ex-Bahn-Vorstand Thilo Sarrazin wechselt als Finanzsenator nach Berlin – und der alte Arbeitgeber zahlt weiter das Gehalt, wie eher zufällig herauskommt. Ein netter Zug der Bahn zugunsten der klammen Hauptstadt - oder ein klarer Fall von Interessenkollision? Schließlich hat die Bahn vielfältige wirtschaftliche Interessen in der Region. Sichert sich das privatisierte Monopol-Unternehmen mit der Zahlung einen Mann für alle Fälle, wenn um Verkehrsdienstleistungen im Land Berlin-Brandenburg verhandelt wird? In naher Zukunft geht es bei der möglichen Fusion von BVG und der Bahn-Tochter S-Bahn zudem um ein Milliardengeschäft. Ganz ausgeschlossen, ganz auszuschließen sind diese bösen Vermutungen nicht. Und der Kölner Klüngel hat deutlich gemacht, wie Beziehungsgeflechte funktionieren. Zwar fallen die Verhandlungen mit der Bahn in das Ressort des Verkehrssenators, doch ein Finanzsenator muss alle Verträge mitzeichnen. In der Realitität aber dürfte Thilo Sarrazin kaum als Einflussagent der Bahn im Senat in Frage kommen. Mit Bahn-Chef Mehdorn, der ihn geschasst hat, verbindet ihn eine gepflegte Feindschaft. Sarrazin kämpft um seine Abfindungsansprüche - und die Bahnkunden dürfen sich ärgern, dass sie einen Senator in Berlin bezahlen. Nicht jede Entlastung für die Landeskasse aber kann sich Berlin leisten. Die gute Absicht kann im politischen Alltag einen bösen Schein nicht vermeiden. Dieser Preis für einen Null-Euro-Senator aber muss dem Senat auf Dauer zu hoch sein. gn

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