Zeitung Heute : Zu früh ist es nie

Roland Knauer

In Bonn treffen sich über 1000 Experten bei der dritten internationalen Konferenz zur Frühwarnung vor Naturkatastrophen. Wie gut kann sich die Menschheit vor solchen Katastrophen schützen?


Um die Folgen einer Naturkatastrophe abzumildern, reicht frühzeitige Warnung allein nicht aus. So signalisierten Erdbebenmessstationen am 26. Dezember 2004 bereits über eine Stunde vor dem Eintreffen der Welle an den Küsten des Indischen Ozeans, dass ein gewaltiger Tsunami ausgelöst worden sein könnte. Nur erreichte diese Warnung nicht einmal die zuständigen Behörden, die späteren Opfer blieben ahnungslos.

Dass Frühwarnung nur ein erster Schritt ist, darüber sind sich auch die rund 1000 Experten im Klaren, die seit Montag in Bonn bei der dritten internationalen Konferenz für Frühwarnung über Katastrophenvorsorge beraten. Erkennen automatische Systeme ein Erdbeben, können sie in einer Stadt wie Mexiko-City das Schlimmste vielleicht verhindern, weil die zerstörenden Erdwellen die Stadt erst nach über einer Minute erreichen. Dazu bedarf es eines automatischen Systems, das Gasleitungen schließen, U-Bahnen an der Einfahrt in den Tunnel hindern, Kernkraftwerke oder Chemiefabriken herunter fahren kann.

In Potsdam zeichnen zum Beispiel seit 1889 die Erdwissenschaftler, die jetzt im Geoforschungszentrum (GFZ) arbeiten, Erschütterungen im Boden auf. Heute messen 48 GFZ-Stationen weltweit die Schwingungen, die durch Erdbeben ausgelöst werden. Da deren Wellen sich mit bestimmter Geschwindigkeit bewegen, können automatische Programme das Zentrum des Bebens ausrechnen, das Ergebnis wird sofort über das Internet veröffentlicht. So handeln auch die USA und andere Länder, die ähnliche Netzwerke für etliche Millionen Euro aufgebaut haben.

Doch der Aufbau von Tsunami-Frühwarnsystemen, Deichen oder Rückhaltebecken dauert, und ist auch eine Frage des Geldes. Entscheidend ist letztlich vor allem auch, dass die Menschen in gefährdeten Gebieten entsprechend vorbereitet werden, damit sie wissen, wie sie sich in der Krise verhalten sollen.Dabei ist es entscheidend, neben hochtechnologischen Anlagen auf das traditionelle Wissen der Menschen vor Ort zurückzugreifen und sie im Umgang mit den Frühwarnsystemen zu schulen. „Die besten Systeme werden wertlos, wenn die Menschen nicht damit umgehen können“, sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) in Bonn. Ähnlich äußerte sich der frühere US-Präsident Clinton: „Das Ganze macht keinen Sinn, wenn wir die Menschen in ihren Dörfern nicht erreichen."

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