Zu Hause : Frau Streisand mistet aus

Barbra Streisand hat drei Häuser, aber keinen Platz mehr. Möbel, Kleider, Bücher: 526 Stücke müssen raus. Dieter Thomas Kuhn, einer ihrer größten Fans, hat sich die Sachen für uns angesehen.

Thomas Krause
302866_0_be894fbf.jpg
Rosa Wohnzimmer: Barbra Streisand versteigert ihre Möbel.Foto: Shaan Kokin/ Julien`s Auctions

Auf Barbra Streisand aufmerksam geworden bin ich durch den Film „Is was, Doc?“. Da war ich sieben Jahre alt. Sie hat mich schon damals fasziniert – sie hatte einfach etwas, was mich anzog. Jedenfalls bin ich nach dem Film auch musikalisch auf Barbra Streisand eingestiegen; das war sicher ungewöhnlich für einen Jungen in meinem Alter. Und dann, 1980, erschien ihr Album „Guilty“. Streisand kam ja eigentlich aus dem Klassik-Bereich und dann machte sie, die Grande Dame, Popmusik mit Barry Gibb von den Bee Gees. Da erschien sie mir gleich ein Stück erreichbarer. Inzwischen habe ich 15, 16 Platten von ihr im Regal. Sie hat ja unheimlich viele gemacht.

Leider habe ich bisher noch kein Konzert von ihr gesehen. Mein Manager und mein Gitarrist wollten mir eine Freude machen und eine Karte für Streisands Millenniums-Konzert in Las Vegas schenken. Das günstigste Ticket kostete, glaube ich, 5000 Dollar – und dann hatte ich noch keinen Flug und kein Hotel. Das wurde einfach zu teuer und so ist mein Traum geplatzt. Als sie in Zürich auftrat, also ganz in der Nähe meiner Heimatstadt Tübingen, war ich krank. Und als Streisand vor zwei Jahren in Berlin ihr erstes Deutschland-Konzert gab, stand ich selbst mit meiner Band in Hannover auf der Bühne. Ich glaube, ich habe die Chance meines Lebens einfach verpasst.

Dafür war es etwas Besonderes, nach ihr auf der Berliner Waldbühne zu stehen. Während des Konzerts habe ich nicht daran gedacht. Aber beim Soundcheck oder als ich vor dem Auftritt die Bühne abgegangen bin, habe ich schon festgestellt: Ihr Spirit war noch da.

Dass sie nun ihre Möbel versteigert, reizt mich als Fan natürlich schon. Da ist zwar ziemlich viel Kitsch dabei, vieles ist hässlicher Nippes, den man bei Omas Haushaltsauflösung sicherlich rausschmeißen würde. Dass Barbra Streisand als Stilikone gilt, liegt ja eher an ihren wunderschönen Kleidern und Perücken, als an ihren Möbeln. Aber auch wenn das nicht mein persönlicher Geschmack ist, in ihrem Landhaus hätte ich mich sehr wohl gefühlt, mich in ihre Einrichtung verliebt: Allein der Gedanke, dass sie auf einem der Sofas gelegen hat! Oder dass sie in den Büchern geblättert hat. Am besten gefällt mir allerdings der Pappaufsteller, auf dem sie ein Superman-T-Shirt trägt. Für mich als Fan spielt es eine untergeordnete Rolle, dass das Geld ihrer wohltätigen Stiftung zugute kommen soll. So etwas machen auch andere Damen, die genug Geld haben. Aber solange damit Sinnvolles passiert, ist das schon in Ordnung. Effekthascherei kann man Barbra Streisand ja nicht vorwerfen. Erfolg hat sie schließlich genug.

Dieter Thomas Kuhn, „die singende Föhnwelle“, ist mit seinen Cover-Versionen von 70er Jahre-Schlagern bekannt geworden. Zur Zeit tritt er mit seiner „Schalala“-Tour in Österreich und Deutschland auf. Aufgezeichnet von Thomas Krause

Guilty Pleasures“, so heißt eine von Barbra Streisands unzähligen Platten. Zu diesen Lastern zählt ihre Sammelleidenschaft. Wo immer die Amerikanerin ist, zieht sie über Trödel- und Antiquitätenmärkte. Leisten kann sie es sich: So viele Platten wie die Sängerin hat kaum einer verkauft, über 70 Millionen sollen es sein, in knapp 20 Filmen hat sie außerdem mitgespielt, oft selbst Regie geführt. Jetzt aber hat sie beschlossen, sich von 526 Möbelstücken und Requisiten zu trennen: Sie habe keinen Platz mehr. Ihre Immobilien in New York und Beverly Hills hat sie verkauft, jetzt hat sie nur noch drei Häuser in Malibu. Also mistete die 67-Jährige ordentlich aus und schickte Sofas, Bücher und Kleider auf Reisen; auf der „Queen Mary 2“ wurden sie auf dem Weg von New York nach Southampton ausgestellt, anschließend waren sie in Irland zu sehen. Ab 10. Oktober stehen sie im Beverly Hilton in Los Angeles, wo sie eine Woche später versteigert werden. Der Erlös – das Auktionshaus Julien’s Auctions rechnet mit mindestens 400 000 bis 600 000 Dollar – kommt Streisands Stiftung zugute.

Ihre Sammelleidenschaft will der Star jetzt bremsen. „Ich habe genug Dinge. Ich will mich auf andere Sachen konzentrieren.“ Zum Beispiel die Musik. Am letzten Wochenende trat Streisand im Village Vanguard auf, einem legendären, winzigen New Yorker Jazzclub. Im Publikum: Familie Clinton und Nicole Kidman. Diese Woche ist ihr neues Album erschienen – „Love ist the Answer“. Streisand-Kenner Dieter Thomas Kuhn erzählt rechts, warum er die Sängerin sehr, ihr Mobiliar weniger mag. tks

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben