Zeitung Heute : Zu Hause in der Fremde

Auslandsaufenthalte weiten den Horizont

Katja Gartz

„Seit zwei Jahren verzeichnen wir ein stark wachsendes Interesse an Internaten im Ausland“, berichtet Wolfgang Tumulka, Geschäftsführer der Euro-Internatsberatung. Eltern seien zunehmend bereit, in eine internationale Schulausbildung ihrer Kinder zu investieren. Auslandserfahrungen, Kontakte zu anderen Kulturen sowie das sichere Beherrschen von Fremdsprachen werden in der globalisierten Arbeitswelt immer wichtiger. Zudem erleichtern internationale Schulabschlüsse wie das International Baccalauréat den Zugang zum Studium im Ausland. Häufig verbringen Schüler während der Oberstufe ein Schuljahr in einem anderen Land. In England besteht auch die Möglichkeit nur drei Monate, einen „Term“, in einem Internat zu verbringen.

Neben Großbritannien kann vor allem die Schweiz auf lange Internatstraditionen verweisen. „In der Schweiz sprechen viele Eltern die Sicherheit des Alpenlandes und gleichzeitig die Internationalität an“, sagt Connie Hasenclever von der Euro-Internatsberatung. Im Internat Institut Le Rosey zum Beispiel leben und lernen Schüler aus 55 Ländern zusammen und werden dort auf internationale Laufbahnen vorbereitet. Voraussetzungen sind gute Leistungen und Geld: Das Internat kostet pro Jahr etwa 50 000 Euro.

Mit rund 2000 Internaten bietet England die größte Vielfalt. „Ziel ist nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern aufs Leben vorzubereiten“, berichtet Martina Wieser, die für England zuständige Mitarbeiterin der Euro-Internatsberatung. Im Unterricht könne sich niemand verstecken, weil die Lehrer die Schüler häufig zu Redebeiträgen auffordern. Eine positive Ansprache der Schüler und das Hervorheben ihrer Stärken seien typisch für den Umgang in britischen Internaten. Eine Bereicherung ist für Wieser auch, dass die Lehrer vor ihrer pädagogischen Zusatzausbildung andere Berufe ausgeübt haben und somit viel Praxiswissen und unterschiedliche Erfahrungen in die Schule tragen. Schuluniformen und ein respektvoller Umgang sind Pflicht.

„Essen, Kaugummi kauen im Unterricht und reden, wenn der Lehrer spricht, sind verboten“, berichtet Lehrerin Glen McAllister, die 13 Jahre mit ihrem Mann im Internat Aldenham School in der Nähe von London gelebt hat. In dem mittelalterlichen Anwesen, in dem Schüler sich in Harry-Potter-Romane versetzt fühlen, gebe es neben strengen Regeln auch viel familiäre Geborgenheit.

Franziska Jänicke möchte ihre Internatserfahrungen nicht missen: „Ich habe meine schönste Zeit in England verbracht“, sagt die Berliner Schülerin. Sie erinnert sich gern an den anstrengenden Unterricht, in dem sie viel gelernt hat, an die über zwanzig angebotenen Sportarten und an neue Freunde. Großgeschrieben in Internaten in Amerika und Kanada wird neben Sport auch Kunst. Sportgeräte und –hallen sind meist auf dem neuesten Stand. Im künstlerischen Bereich gehören häufig Bildhauerei, Töpfern und Fotografie zum Angebot. Sehr beliebt sind außerdem Theaterproduktionen.

„Einige Schüler gehen gerne ganz weit weg von ihren Eltern, je weiter, desto mehr riecht der Internatsbesuch nach Abenteuer“, berichtet Hasenclever. Ein Aufenthalt in einem Internat in den USA, Kanada, Australien oder Neuseeland sollte wegen langwieriger Bewerbungen etwa ein Jahr vor Beginn geplant werden. Unterbringungen sind sowohl in Internaten als auch in Gastfamilien üblich.

Gute Englischkenntnisse erleichtern den Einsteig, Ergebnisse von Sprachtests verlangen nur wenige Schulen. Internate in England, den USA und Kanada kosten monatlich ab 2500 Euro, Australien und Neuseeland sind etwas günstiger. Katja Gartz

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