Zeitung Heute : Zu JFK pilgern

Lothar Heinke

Wie ein Rentner die Stadt erleben kann

Einmal die Augen zuklappen, Bilder sehen und diese Stimme hören: „Alle freien Menschen, wo immer sie leben mögen, sind Bürger dieser Stadt West-Berlin, und deshalb bin ich als freier Mann stolz darauf, sagen zu können: Ich bin ein Berliner!“ Geflügelte Worte. Die Menschen stehen an diesem 26. Juni 1963 auf dem Platz vor dem Schöneberger Rathaus oder einfach auf der Straße, beim spontanen Jubel, als der Wagen mit Kennedy, Adenauer und Brandt vorüberfährt. „So lange wir leben, werden wir niemals wieder einen solchen Tag wie heute erleben“, sagte der Präsident auf dem Rückflug.

Der West-Berliner vom Straßenrand mag das ähnlich empfunden haben, der Ost-Berliner hinter der Mauer war von alldem ausgeschlossen, er sah das im SFB fern und schämte sich eines Staates, der dem Präsidenten den Blick „nach drüben“ verwehrte, indem er voll Hochmut und Dummheit die Zwischenräume der sechs Säulen am Brandenburger Tor mit roten Stoffbahnen und einer Staatsflagge in der Mitte verhängt hatte.

Das alles ist plötzlich wieder da, wenn wir ein Museum besuchen, das ganz nah an jenem Orte liegt, wo JFK vor nun bald 44 Jahren aufs zugemauerte Berliner Symbol-Tor blickte. „The Kennedys“ am Pariser Platz ist ein Familien-Memorial, so gediegen wie informativ, ganz in Weiß und modern wie der Präsident damals. Gleich am Eingang haben sie sein und Jackies Porträt aus vielen tausend Fotos zusammengesetzt, dann erscheint der Clan der Kennedyaner, die es zu Geld, Macht und Ruhm gebracht haben – bis zu John F., jenem „demokratischen Prinz“ im Weißen Haus, der vielleicht der erste Popstar der Politik gewesen ist. Viele Fotos, Briefe, Reden und Objekte holen die Zeit zurück: Kennedys Krokodilledertasche, Zigarettenkiste, Lesebrille, Schlüsselanhänger, Jackies Pillbox-Hut, solche Sachen. Und ein Film vom Berlin-Besuch, in dem man sich bestimmt wiedersieht, 44 Jahre älter.

The Kennedys, Pariser Platz 4 A, tgl. 10 bis 18 Uhr, Eintritt 7, erm. 3,50 Euro.

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