Zeitung Heute : Zu viele Karten

Cordula Eubel

Der Branchenverband Bitkom kritisiert Verzögerungen bei der für 2006 geplanten Einführung der elektronischen Gesundheitskarte. Was muss passieren, damit die Karte so schnell wie möglich kommt?

Die bundesweite Einführung der elektronischen Gesundheitskarte verzögert sich mindestens bis ins Jahr 2007. Für die Industrie ist das bedauerlich, verspricht man sich doch Exportchancen in andere Länder Europas. Und die sind umso höher, je früher das ehrgeizige Projekt an den Start geht. Es ist eine technische Hochleistung: 80 Millionen Karten müssen an die Versicherten ausgegeben und mit Daten bestückt werden. Außerdem müssen 300 Krankenkassen mit 180 000 Arztpraxen, 22 000 Apotheken und 2000 Krankenhäusern vernetzt werden.

Ursprünglich sollten alle privat und gesetzlich Versicherten die Gesundheitskarte bereits 2006 erhalten. Zunächst sollen elektronische Rezepte, später auch ganze Patientenakten inklusive Röntgenbildern gespeichert werden. Bevor die Karte in ganz Deutschland eingeführt werden kann, muss sie in Modellregionen erst einmal erprobt werden.

Dass sich das Großprojekt verzögert, liegt nicht daran, dass es für die Industrie technisch unlösbar wäre. Mit technischen Pannen wie bei der Lkw-Maut ist nicht zu rechnen. Problematisch ist aber, dass bereits bei den Vorarbeiten die Verbände der Selbstverwaltung – von den Ärzten über die Apotheker bis zu den Krankenkassen – sich in Streitigkeiten verstrickt haben. Jeder hatte eine andere Vorstellung davon, wie die Karte zu funktionieren habe. Damit die Industrie tätig werden kann, müssen sich jedoch alle Beteiligten auf eine einheitliche Lösungsarchitektur verständigen. Die Unternehmen beklagen außerdem, dass sie in die Vorbereitungen für die Gesundheitskarte zu wenig eingebunden seien.

Ministerin Ulla Schmidt (SPD) ist in der Zwickmühle: Sie drängt bei den Verbänden auf eine schnelle Umsetzung ihres Vorzeigeprojekts. Gleichzeitig ist sie aber auf die Unterstützung aller Beteiligten angewiesen.

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