Zeitung Heute : Zu Wasser, zu Lande und in der Luft

Verkehrsmanagement gilt als Zukunftsbranche mit guten Jobaussichten. Die Wahl der richtigen Uni entscheidet über den Erfolg

Silke Zorn

Herbert Grönemeyer hat sie schon vor Jahren besungen - seine verzweifelte Suche nach einem Parkplatz, während die Freundin gemütlich bei Kaffee und Kuchen sitzt. Inzwischen wird es nicht nur in der Stadt immer voller. Auch auf Autobahnen und Schienensträngen, zu Wasser und in der Luft herrscht Hochbetrieb. Mehr und mehr Firmen beschäftigen sich daher mit der Suche nach intelligenten Lösungen in Sachen Verkehrsmanagement. Vor allem in Berlin und Brandenburg befindet sich die Branche laut neusten Marktforschungsstudien im Aufwind – und könnte damit auch für mehr Beschäftigung sorgen. Das nötige Wissen vermitteln zahlreiche Universitäten und Fachhochschulen.

Besonders gefragt sind Ingenieure, die fit sind in Verkehrsplanung und Verkehrstechnik, sich zum Beispiel auf die Konzeption und Erstellung von Verkehrsleit- und Verkehrsinformationssystemen spezialisiert haben. Aber auch viele andere Disziplinen sind an der Erforschung und Steuerung des Phänomens Verkehr beteiligt. Informatiker programmieren computergesteuerte Verkehrsleit- und Informationssysteme. Geografen beschäftigen sich mit Infrastruktur-, Raum- und Umweltplanung. Logistiker und Verkehrswirte optimieren den Warenfluss. „Den Verkehrsfachmann schlechthin gibt es eigentlich nicht“, sagt Boris Kluge von der Deutschen Verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft. Doch in fast jeder Teildisziplin kann man sich inzwischen Spezialwissen in Sachen Mobilität aneignen.

Problematisch allerdings: Bisher gibt es kaum Weiterbildungen oder weiterführende Studiengänge, die sich mit der Materie beschäftigen. Verkehrswesen und Verkehrsmanagement sind in aller Regel Bestandteil grundständiger Studiengänge mit mindestens acht Semestern. Verkehrsexperte Boris Kluge hält das für ein großes Versäumnis der Hochschulen. „In den Bereichen Straßen- und Schienenverkehr, öffentlicher Personennahverkehr und allgemeine Verkehrplanung gibt es in Deutschland keinen einzigen postgradualen Studiengang. Das ist wirklich nicht einzusehen – besonders wenn man bedenkt, dass die Branche an sich boomt und gute Leute dringend gesucht werden.“

Daher ist möglichst frühzeitige Spezialisierung gefragt, am besten schon während des Erststudiums. Wer Ingenieurwissenschaften oder eine andere artverwandte Disziplin studiert und sich für die Verkehrsbranche interessiert, sollte – trotz aller bürokratischer und organisatorischer Hürden – über den Wechsel an eine Uni mit entsprechendem Lehrstuhl nachdenken. Denn davon gibt es in Deutschland eine ganze Menge.

An der Technischen Universität Berlin zum Beispiel kann man sich im Ingenieurs-Studiengang Verkehrswesen mit dem regen Treiben zu Lande, zu Wasser und in der Luft beschäftigen. Studieninhalte sind sowohl die Entwicklung von Fahrzeugen aller Art, als auch Bau und Betrieb von Verkehrswegen und Verkehrssystemen. Die späteren Einsatzgebiete sind laut Uni vielfältig. Neben Raumfahrt-, Schiffs- und Fahrzeugtechnik kommen vor allem planerische Tätigkeiten in Betracht, etwa die Entwicklung von Verkehrsanlagen wie Maut- oder Verkehrsleitsystemen.

Nur eine kurze Auto- beziehungsweise S-Bahnfahrt von Berlin entfernt liegt, kurz vor Königs Wusterhausen, die Technische Fachhochschule Wildau. Dort kann man sich im Studiengang Logistik mit dem nationalen und internationalen Gütertransport beschäftigen und mit modernen Logistik- und Verkehrsmanagementsystemen vertraut machen. Nach acht Semestern winkt der Abschluss als Diplom-Wirtschaftsingenieur. An dem an der Fachhochschule ansässigen Wildau Institute of Technology entstehen außerdem erste Master-Studiengänge für Ingenieure und Naturwissenschaftler in Führungspositionen. Geplant ist zum Beispiel ein berufsbegleitender, zweijähriger Studiengang Business Engineering, der sich mit Logistik, Service-Informatik und Telematik beschäftigt.

Die Fachhochschule Braunschweig/Wolfenbüttel bietet, ebenfalls im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen, den Studienschwerpunkt Verkehrsmanagement an. Die Gestaltung und der Betrieb von Verkehrsanlagen, Verkehrsmitteln und Verkehrssystemen stehen im Vordergrund der Ausbildung. Dabei werden neben den technischen Aspekten auch wirtschaftliche, juristische und ökologische Zusammenhänge untersucht. Im Hauptstudium können verschiedene Schwerpunkte gewählt werden, etwa Verkehrsplanung und -steuerung, Airline- und Flughafenmanagement, öffentlicher Personennahverkehr oder Verkehrssicherheit.

An der Technischen Universität Dresden hat man die Wahl zwischen zwei Studiengängen: Im Fach Verkehrsingenieurwesen geht es um Planung, Gestaltung und Logistik von Verkehrssystemen. Der Studiengang Verkehrswirtschaft beschäftigt sich mit der ökonomischen Seite von Verkehr, Logistik, Transport und Tourismus.

In einer ganzen Reihe von Studiengängen können sich Interessierte schließlich an der Universität Stuttgart mit dem Thema Verkehr auseinandersetzen. Besonders interessant klingt der Diplom-Studiengang Softwaretechnik – hier kann man unter anderem fachliche Schwerpunkte in computergestützer Verkehrsplanung und dem Betrieb und Entwurf moderner, rechnergesteuerter Verkehrsleitsysteme setzen.

Boris Kluge von der Verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft bedauert allerdings, dass sich die deutschen Verkehrs-Lehrstühle untereinander nicht besser vernetzen. „Der Wechsel der Uni, die Anrechnung von Studienleistungen, vor allem aber die Entwicklung von Aufbaustudiengängen würde durch eine Kooperation wesentlich erleichtert“, sagt er. Endlich weiterführende Studiengänge im Verkehrswesen, das erhofft sich Kluge von der europäischen Harmonisierung der Studienabschlüsse. „Wir brauchen kurze, modulare Aufbaustudiengänge, die im Idealfall parallel zum Job absolviert werden können“, sagt er. „Die Einführung von Bachelor und Master könnte da ein Schritt in die richtige Richtung sein.“

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