Zufriedenheitsgrenze : Die Bescheidenheit der Amis

Zur Grundausstattung des durchschnittlichen, außergroßstädtischen Amerikaners gehören ein Haus, zwei Autos – und wenn die Kinder ins entsprechende Alter gekommen sind, auch schon mal zwei oder drei –, eine Mikrowelle, diverse TV-Geräte, ein begehbarer Kühlschrank und ein Rasenmäher. Individuell mag das einer zum Sitzen sein. Und je nach Region ist auch ein Swimmingpool okay. So ein Grundpaket kostet. Das Weitere regeln Kredite. Die nicht zurückgezahlt werden können. Die Folgen für die weltweite Finanzsituation sind bekannt. Weniger bekannt ist, aber nun universitär untermauert, dass der Amerikaner im Grunde seines Herzens ein zutiefst bescheidener Mensch ist. Die US-Universität Princeton, immerhin Princeton, hat nun die Zufriedenheitsgrenze beim Jahreseinkommen der Amerikaner ermittelt. Demnach steigt die Lebensqualität für einen Haushalt bei mehr Verdienst immer weiter an, der Prozess stoppt aber bei 75 000 Dollar, also bei uns ein Kaufwert von 5000 Euro netto im Monat. Bei mehr Geld ist Schluss mit lustig, mehr Glück und Zufriedenheit, so die Studie, ist damit in Amerika nicht zu gewinnen.

Man kennt das aus der Weisheit, wonach Geld nicht glücklich macht. Gerade dieser Tage hat laut griechischem Fernsehen Athina Onassis, die mit ihren 25 Jahren und einem Vermögen von etwa sechs Milliarden Euro kreuzunglücklich ist, ihre knapp einen Quadratkilometer große Insel Skorpios verkauft. An Giorgio Armani, der ist 76 Jahre alt. Die jährlichen Unterhaltskosten des Eilands betragen 1,5 Millionen Euro. Armani ist gewiss auch ganz elendig unzufrieden.

5000 Euro netto im Monat. Wer hätte die nicht gerne, hallo!, Chefs, zugehört! Und die persönliche Zufriedenheit würde auch enorm wachsen. Aber sind wir jetzt gierig oder gar unamerikanischer Umtriebe verdächtig, wenn wir für die Zufriedenheitsgrenze dennoch ein bisschen Luft nach oben wahrnehmen? Dabei ist Glück und Zufriedenheit selbstredend relativ, was dem einen ein begehbarer Kühlschrank ist, kann dem anderen, sagen wir, ein Fahrradhelm sein. Aber nur der sicherste, der beste, hallo! Chefs, noch da?

Was nun die Amerikaner angeht und ihr Glück: Das Meinungsinstitut Gallup befragte 2008 und 2009 täglich 1000 US-Bürger nach ihrem Wohlbefinden. Haben Sie mal einen durchschnittlichen, außergroßstädtischen Amerikaner nach seinem Wohlbefinden gefragt? Und was kam dabei raus? Great! Und wie es drinnen aussieht, geht niemanden was an.Helmut Schümann

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