Zu GAST : Guilherme Leite Gonçalves

Schon während seines Studiums des Rechts an der Katholischen Universität in São Paulo erwachte Guilherme Leite Gonçalves’ Interesse für die Rechtssoziologie. Das wissenschaftliche Arbeiten hatte es dem Studenten angetan. Als Rechtsanwalt wollte der Sohn eines Advokaten dagegen nie arbeiten.

Leite Gonçalves ist seiner Leidenschaft gefolgt; er ist inzwischen Professor für Rechtssoziologie an der Getúlio Vargas-Stiftungs-Universität in Rio de Janeiro. Zurzeit forscht der 34-Jährige als Stipendiat der Alexander-vonHumboldt-Stiftung an der Freien Universität Berlin. Seine Ehefrau ist mit nach Berlin gekommen und schreibt hier ihre Dissertation.

Guilherme Leite Gonçalves selbst wurde in Italien promoviert, an der Universität in Lecce. Niklas Luhmanns Systemtheorie interessierte den Brasilianer, der in seinem Heimatland keinen geeigneten Betreuer fand. Lecce war genau der richtige Ort für den Rechtssoziologen, denn dort lehrte Raffaele de Giorgi, der über 30 Jahre lang eng mit dem Soziologen Niklas Luhmann zusammengearbeitet hatte. De Giorgi wurde Guilherme Leite Gonçalves Doktorvater.

In Italien lebte sich der Brasilianer schnell ein. Ein Grund dafür war eine lokale Eigenart seiner brasilianischen Heimatstadt: „In São Paulo sprechen wir Portugiesisch mit italienischem Akzent“, sagt Leite Gonçalves. Eine Tradition, die auf die vielen italienischen Einwanderer zurückgeht, die in der brasilianischen Metropole eine neue Heimat fanden.

Schon während seiner Promotion war Guilherme Leite Gonçalves zu Forschungszwecken in Deutschland. In den Jahren 2001 und 2002 war er Gastforscher am Max-Planck-Institut für europäische Rechtsgeschichte in Frankfurt am Main.

Zurück in Brasilien wurde Guilherme Leite Gonçalves 2004 zunächst Juniorprofessor, später an der Getúlio Vargas-Stiftungs-Universität in Rio de Janeiro zum Professor ernannt. Nach dem ehemaligen brasilianischen Präsidenten benannt, übernimmt sie neben den öffentlichen, katholischen und privaten Universitäten des Landes die Ausbildung der brasilianischen Jugend.

Guilherme Leite Gonçalves hat sich bewusst für einen Aufenthalt an der Freien Universität Berlin entschieden. Denn am dortigen Lateinamerika-Institut lehrt der Soziologe Sergio Costa. Der Brasilianer ist in seinem Heimatland bekannt für seine Forschung.

Guilherme Leite Gonçalves wird bis voraussichtlich April 2013 in Berlin bleiben. Während seines Forschungsaufenthaltes möchte er – ausgehend von den Beiträgen der Systemtheorie und postkolonialer Studien – ein analytisches Schema zum Verständnis der gesellschaftlichen Funktion der Rechtsdogmatik in Lateinamerika entwickeln. Jan Hambura

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