Zeitung Heute : Zukunftsjob Informationsbroker: Tausendsassas des Internetzeitalters

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Wie kommen erfolgreiche Marketing-Manager schnellstmöglich an Daten über Marktumfang, Marktentwicklung, Umsätze und Absatzwege der wichtigsten Wettbewerber? Wühlen sie in Fachzeitschriften oder surfen sie stundenlang im Internet? Eher nicht. Genauso wenig, wie sich üblicherweise Politiker oder Wirtschaftslenker, die dringend präzise Informationen über komplexe Sachverhalte brauchen, selbst auf die Suche nach wissenschaftlichen oder statistischen Daten begeben. Immer mehr erfolgreiche Entscheider beauftragen einen Informationsbroker. Deren Spezialität ist es, die berühmten Nadeln im Heuhaufen ausfindig zu machen, also ein Thema auch innerhalb kürzester Zeit zu recherchieren und anschließend verständlich aufzubereiten.

Informationsbroker kennen das Angebot an On- und Offline-Datenbanken, wissen Bescheid in den konventionellen Datenpools des jeweiligen Fachgebiets und können sicher in den verschiedenen Systemen recherchieren. Das Internet ist ihr Zuhause, sie sind stressresistent und können unter Termindruck arbeiten, verstehen die Kunst der überzeugenden Präsentation, können Wesentliches von Unwesentlichem unterscheiden und verdichten die Informationsflut auf den Punkt. Englisch beherrschen sie wie ihre Muttersprache, betriebswirtschaftlich sind sie natürlich auch fit. Und üblicherweise haben sie sich auf ein Fachgebiet spezialisiert, auf dem ihnen so schnell niemand ein X für ein U vormachen kann - sie sind die Tausendsassas des Informationszeitalters.

Seit einigen Jahren etabliert sich der - bislang ungeschützte - Beruf als eigenständiger Wirtschaftszweig. Sabine Graumann, Leiterin des Bereichs Information und Dokumentation bei Infratest Burke, dem sechsgrößten Marktforschungs- und Beratungsunternehmen der Welt, schätzt die Zahl der bei großen und mittelständischen Unternehmen angestellten Informationsbroker auf 1000 bis 5000. Bis zu 200 seien derzeit in Deutschland selbstständig tätig, vermutet die ehemalige Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für Informationswissenschaft und Dokumentationspraxis e.V. (t 0 69 / 43 03 13). Das Marktpotenzial bezeichnet Expertin Graumann als "bei weitem nicht ausgeschöpft".

Allerdings: Da die Bedienung von Datenbanken immer unkomplizierter wird, können sich zunehmend auch Endnutzer direkt an die Wissensquellen begeben. Wirklichen Mehrwert kann von Informationsvermittlern deshalb nur dann geschaffen werden, wenn sie deutlich schneller, zuverlässiger und fachlich fundierter als ihre Auftraggeber recherchieren.

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