Zeitung Heute : Zum Abheben

Was mit einer Cesna anfing, ist nun das größte Eventflugunternehmen Berlins

Rainer W. During

Mit einem „fliegenden Besenstil“ machte sich „Commander Frank“ nach der Wende selbstständig. Heute leitet Frank Hellberg zusammen mit seinem Partner Steffen Wardin Deutschlands größtes Eventflugunternehmen, den Air Service Berlin. Mehr als eine Million Passagiere hat man befördert und ist am Standort des künftigen Flughafens BBI in Schönefeld in eine neue Zukunft gestartet.

In die Luft zu gehen war schon immer seine Passion. Mit 23 schloss der gebürtige Wittstocker seine Ausbildung als Agrarpilot der Interflug ab. Nach dem Mauerfall rechnete es sich plötzlich nicht mehr, Dünge- und Pflanzenschutzmittel über den Äckern zu versprühen.

Hellberg gründete mit Partner Wardin den Ruppiner Air Service. Die neue Betriebserlaubnis für den ehemaligen Agrarflugplatz musste er selbst vervielfältigen, denn die neu gegründete Luftfahrtbehörde des Landes Brandenburg hatte zwar schon einen Genehmigungsstempel, aber noch keinen Kopierer. Die 32 000 D-Mark Startkapital erhielten die Jungunternehmer erst, als sich ein angehender Kunde für sie bei der Bank stark machte. „Einen Kredit für ein Auto, einen Fernseher oder eine Schrankwand hätte ich spielend bekommen, aber nicht für ein Flugzeug“, erinnert er sich. Von dem Geld wurde die erste Maschine gekauft.

Als er dann wieder einmal auf der Autobahn im Stau stand, kam Hellberg 1992 die entscheidende Idee. Man müsste die Verkehrslage aus der Luft beobachten. Noch am selben Tag fuhr er nach Potsdam zu Antenne Brandenburg und überzeugte die Radiomacher. Er nannte sich „Commander Frank“ und ging wenige Tage später erstmals auf Sendung. Weil sich die Banken weiter schwer taten, musste er die 80 000 D-Mark für den Kauf einer gebrauchten zweisitzigen Cessna 152 zu 25 Prozent Zinsen bei einem Kredithai finanzieren. Dennoch kam er mit den Raten nicht in Verzug. Denn bei den Hörern kam der neue Verkehrsfunk-Service an.

Bald wurde eine Dependance in Schönefeld eröffnet und mit Rundflügen über der Hauptstadt begonnen. Zunächst mit einem russischen An-2-Doppeldecker, seitdem mit immer neuen Innovationen des in Air Service Berlin umbenannten Unternehmens. Seit 1997 startet Berlins einziges Wasserflugzeug mit dem Rufnamen „Duck 1“ auf der Spree in Treptow, später kam mit dem Hi-Flyer an der Wilhelm-, Ecke Zimmerstraße Deutschlands erster Aussichtsballon dazu. Und seit 2005 verfügt man auch über einen Ecureil-Hubschrauber, den Filmregisseure als fliegende Kameraplattform nutzen.

Als größter Coup erwiesen sich 2001 der Umzug nach Tempelhof und der Kauf eines Rosinenbombers. Die 1944 gebaute Douglas DC-3 Dakota kam tatsächlich während der Berlin-Blockade zum Einsatz. Bald wurde aus dem Rundflug ein Event mit Rahmenprogramm in einer mit Care-Paketen und historischen Fotos dekorierten Lounge. „Die Veranstaltungen haben uns ein 80-prozentiges Wachstum gebracht“, so Hellberg.

Dann kam im vorigen Jahr die umstrittene Schließung des Zentralflughafens. Obwohl „als Pilot irre traurig“, hat sich der Geschäftsführer aus den Diskussionen weitgehend herausgehalten. Denn für ihn stand fest, dass die Zukunft nur am Standort des künftigen Hauptstadt-Airports Berlin Brandenburg International (BBI) liegen konnte. 1,7 Millionen Euro wurden investiert, bis zu 300 Gäste können im Terminal C feiern, die Rundflugpassagiere vor dem Start in einem High-Tech-Kino auf multimediale Zeitreise gehen. Zehn neue Jobs sind entstanden, rund 30 Mitarbeiter hat die Firma.

„Wir wollen in Schönefeld weiter investieren und bis zur BBI-Eröffnung Ende 2011 ein eigenes Gebäude errichten“, sagt Hellberg. Trotz allem bleibt „Commander Frank“ noch Zeit fürs Radio. Für zwei Privatsender organisiert er auch heute noch den Verkehrsfunk, längst nicht mehr nur aus der Luft, sondern auch aus dem eigenen Studio in Schönefeld.

www.air-service-berlin.de

Wir wollen in Schönefeld weiter investieren und bis zur Eröffnung des

Großflughafens BBI Ende 2011 ein eigenes Gebäude errichten.“

Frank Hellberg,

Geschäftsführer von

Air Service Berlin

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