Zum Beispiel Dubai : Kleiner Anreiz im öffentlichen Nahverkehr

Geld und Glitzer sind nicht von vornherein zu verurteilen. Damit lässt sich allerhand Vernünftiges anfangen - wie das Beispiel Dubai zeigt. Auch die Berliner könnten daraus etwas lernen. Eine Glosse.

Was die Leute über Dubai nicht alles sagen! Das Land sei ein undemokratischer Polizeistaat, sagen sie, es sei von geknechteten Bauarbeitern mit Luxushotels vollgestellt und zum sterilen Großkaufhaus hochgezüchtet worden und es gebe dort praktisch nichts außer Sand, Hochhäusern und gefiltertem Wasser drum herum. Keine Geschichte, sagen die Leute, überhaupt keine Vergangenheit, nur Geld und Glitzer.

Und sie haben alle, alle recht.

Das heißt aber nicht, dass sich nicht auch mit Geld und Glitzer allerhand Vernünftiges anfangen ließe. So gibt es in Dubai, überraschend, auch ein öffentliches Nahverkehrssystem, das aus zwei Metro- und ein paar Buslinien besteht, aber nicht so richtig aus den Startlöchern kommt, weil jede Familie durchschnittlich zweikommadrei Autos besitzt; die meisten dieser Autos gehören zudem eindeutig in die Fahrfreude-Kategorie, sie sind angenehm klimatisiert, und der Spritpreis, nun ja, die Emirate ...

Das Ergebnis ist, dass Bahnfahren in Dubai ungefähr so populär ist wie Eisbaden – und dass die Straßen mit all den SUV vollgestopft sind. In solchen Fällen organisieren Verantwortliche gern einen „Tag des Nahverkehrs“, in dem sie die Vorteile ebenjenes Systems herausstellen. So ein Tag wird in aller Welt gern mit Späßchen wie Hüpfburgen, Kinderschminkkursen und Monatskartenverlosungen angereichert, was in Dubai selbstredend nicht in Betracht kommt, weil dort selbst das Prekariat über solchen Kram nur lächeln kann.

Im Grunde kommt also als Anreiz nur Gold in Betracht. Deshalb verlost die Dubaier Verkehrsbehörde gegenwärtig täglich einen vier Kilo schweren Goldbarren unter allen Fahrgästen. Der ist im Moment etwa 120 000 Euro wert, und das müsste genügen, um selbst kleinere Ölscheichs für einen Moment in die Bahn zu locken. Wo sie dann feststellen sollen, dass das allemal netter ist, als mit dem Cayenne Turbo im Stau auf der Sheikh Zayed Road festzustecken.

Aber ob sie das auch tun? Der Nutzen dieser Aktion dürfte sich in Grenzen halten, und die Übertragung auf unsere hiesigen Verhältnisse fällt schwer. Zwar sind Goldbarren nach dem Rückzug des Finanzsenators wieder in allen Formen und Größen verfügbar, aber es wäre wohl ein kapitaler Fehler, noch mehr Menschen in die ohnehin überfüllten Bahnen zu locken.

Also Goldbarren für alle, die zu Hause bleiben? Das wäre was. Damit könnte sogar Michael Müller richtig populär werden.

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