Zeitung Heute : Zum Einkaufen an die Spree

90 Millionen Touristen besuchten im vergangenen Jahr Berlin. Davon profitierte auch der Einzelhandel mit steigenden Umsätzen

Harald Olkus

Von zweistelligen Zuwachsraten können die meisten Branchen derzeit nur träumen. Das gilt allerdings nicht für den Berlin-Tourismus: Hier wurden schon zum zweiten Mal in Folge Rekordergebnisse erzielt. 90 Millionen Besucher zählte die Berlin Tourismus Marketing GmbH (BTM) im vergangenen Jahr, das sind 20 Prozent mehr als im Jahr 2000 – und mehr als jemals zuvor in der Geschichte der Stadt. Die Attraktivität Berlins für Touristen aus dem In- und Ausland kommt zum einen der Beherbergungsbranche zugute, die 2004 mehr als 13 Millionen Übernachtungen registrierte. Aber auch der Berliner Einzelhandel profitiert von den Besuchern.

Der Tourismus wird als Wirtschaftszweig für Berlin immer bedeutender: Dies belegt eine von der BTM in Kooperation mit der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen, der Investitions Bank Berlin (IBB) und dem Deutschen Wirtschaftswissenschaftlichen Institut für Fremdenverkehr e.V. (dwif) in Auftrag gegebene Studie. Danach ließen die Städtetouristen im Jahr 2003 rund 5,8 Milliarden Euro in Berlin – rund zwölf Prozent mehr als im Jahr davor.

Laut Studie entfallen knapp die Hälfte der Umsätze auf Tagesgäste, die durchschnittlich 30 Euro im Einzelhandel, im Gastgewerbe und für sonstige Dienstleistungen ausgeben. Etwas mehr als ein Drittel der Umsätze entfällt auf die rund fünf Millionen Hotelgäste, die im Schnitt 2,3 Tage in der Stadt blieben und in dieser Zeit 178 Euro pro Tag für Unterkunft, Verpflegung und andere Aktivitäten aufwendeten. Die restlichen 20 Prozent entfallen auf den Besuch von Verwandten und Bekannten, die privat übernachten und fast 40 Euro täglich ausgeben. „Berlin wird immer mehr als Einkaufsstadt wahrgenommen“, sagt BTM-Pressesprecher Gerhard Buchholz. Viele Touristen kämen vor allem zum Shoppen in die Stadt. „Früher fuhr man ja nach Hamburg oder sogar Hannover zum Einkaufen, jetzt kommen alle nach Berlin. Neben Ku’damm und Tauentzien sowie der Friedrichstraße seien die Design-Läden um den Hackeschen Markt und in Prenzlauer Berg die spannendsten Orte in der Stadt.

Das hat auch der Einzelhandelsverband Berlin/Brandenburg erkannt: „Wir müssen zusehen, dass wir noch mehr von vom Tourismus profitieren“, sagt der Geschäftsführer, Nils Busch-Petersen. „Denn da verzeichnen wir steigende Umsätze. Gegenüber rund 1,7 Milliarden Euro im Vorjahr haben wir 2004 rund 2,33 Milliarden Euro umgesetzt.“

Der mit der Berlin Tourismus Marketing (BTM) gemeinsam organisierte „Winterzauber“ sei ein gelungenes Beispiel für die Zusammenarbeit. „Wir haben mit dem ,Winterzauber‘ deutlich über 600 000 zusätzliche Touristen eingeworben“, sagt Busch-Petersen. Auch in diesem Jahr will die BTM die Touristenzahlen weiter steigern: „Mindestens fünf Prozent mehr Besucher wollen wir erreichen“, sagt Buchholz. Die Stadt habe mit dem Hauptstadtbonus einen deutlichen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen deutschen Städten und mit dem Turnfest, dem Berlin Marathon und dem ISTAF fänden wichtige Sportereignisse statt, die bereits auf die Fußball- WM im kommenden Jahr vorbereiten.

Die Erwartungen der BTM scheinen sich bereits zu bestätigen: Im Januar 2005 übernachteten 820 000 Besucher in der Stadt, 19,5 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Während 280 000 der registrierten Berlin-Gäste aus dem Inland an die Spree kamen, verbrachten fast 100 000 ausländische Gäste im Schnitt 2,5 Nächte in der deutschen Hauptstadt. Im Vergleich zum Vorjahresmonat sei dies eine Steigerung von 37 Prozent bei den Ankünften sowie von 39 Prozent bei den Übernachtungen.

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