Zeitung Heute : Zum Frauentag ins Bordell

Der Tagesspiegel

Pech für Gregor Gysi: Ausgerechnet vor dem von der PDS so hoch geschätzten Internationalen Frauentag am heutigen 8. März führten Meldungen, wonach der Wirtschafts-, Arbeits- und Frauensenator drastische Einsparungen bei ABM, Frauenhäusern und Integrationskursen hinnehmen muss, zu großer Aufregung. Frauenorganisationen, Vereine und die Opposition protestierten und kündigten Aktionen gegen den geplanten „Kahlschlag bei Frauenprojekten“ an.

In der Wirtschaftsverwaltung wollte man die Meldungen am Donnerstag weder bestätigen noch gänzlich dementieren. Allerdings könne die angekündigte drastische Reduzierung der Landesmittel für Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen (ABM) schon allein deshalb nicht stimmen, weil für das laufende Jahr bereits 30 Millionen Euro für ABM bewilligt worden seien. Genau diese Summe reiche nach Expertenmeinung aus, um alle laufenden Projekte fortzuführen, sagte Gysis Sprecherin Heike Engelhardt. Sie bestätigte, dass das so genannte Chefgespräch zwischen Gysi und Finanzsenator Thilo Sarrazin (SPD) bis zum heutigen Freitag verlängert wurde. Richtig sei weiterhin, dass auch im Frauen-Bereich Kürzungen vorgenommen werden müssten, zumal diese Projekte in der Vergangenheit von Sparmaßnahmen weitgehend verschont geblieben seien. Engelhardt: „Seit 1995 sind bei Frauen-Projekten maximal fünf Prozent eingespart worden. Das sind im Hinblick auf andere Bereiche fast paradiesische Zustände für Berlin.“

Betroffene widersprechen dem vehement. So wurden im Caritas-Frauenhaus nach Aussage von Leiterin Gabriele Kriegs in den vergangenen Jahren zweieinhalb von zehn Stellen gestrichen. Der Treff- und Informationsort für türkische Frauen (TIO) hat seit 1995 Kürzungen um 18 Prozent beim Personal hinnehmen müssen. Auch Reinickendorfer Frauen- und Mädchenprojekte sehen ihre Existenz bedroht, wenn sich der Frauensenator heute nicht gegen Sarrazin durchsetzen kann. Am Abend vor dem 8. März wollte Gregor Gysi Einrichtungen besuchen, in denen Frauen nachts arbeiten. Ein Frauenhaus war nicht darunter. Aber ein Bordell. das

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