Zeitung Heute : Zum guten Ende gebracht

Ingo von Dahlern

Das bittere Ende kam ausnahmsweise einmal vor dem guten. Denn als sich BMW und Rover trennten, da war ein besonders attraktives Projekt kurz vor dem Abschluss - die neue und nunmehr dritte Generation des luxuriösen Range Rover, mit dem Land Rover 1970 eine ganz neue Fahrzeugkategorie geschaffen hatte. Einen absolut professionellen Geländewagen nämlich, der zugleich den Luxus einer großen Limousine bot, auf ausgebauten Straßen eine ebenso gute Figur machte wie im Gelände. Inzwischen ist die dritte Generation fertig - mit tatkräftiger Unterstützung durch BMW trotz der längst vollzogenen Trennung und der bald darauf vollzogenen Eingliederung von Land Rover in die große Ford-Familie. Und herausgekommen ist ein Auto, das bei ersten Probekilometern rund um Berlin mehrfach beweisen konnte, dass das Werk gut gelungen ist. Das ist das gute Ende.

Und ein überzeugender Start in eine neue Zukunft für Land Rover, in der man allerdings nicht mehr allein auf weiter Bühne ist wie vor gut drei Jahrzehnten. Denn inzwischen ist in der Klasse der luxuriösen Off-Roader so mancher ernst zu nehmende Konkurrent angetreten. Ihnen stellt er sich mit einem in der äußeren Linie an die bisherige Optik des Range anknüpfenden Auftritt.

Aber nur, so lange man ihn von außen betrachtet. Denn steigt man hinauf auf den hohen und damit optimale Sicht rundum gebenden Fahrersitz oder auch den des Beifahrers, dann findet man sich in einem völlig neuen Ambiente wieder. Klare Linien, edles Leder und massives Kirschholz beherrschen das Armaturenbrett, dem man bei vielen Details auf den ersten Blick anmerkt, dass BMW bei der Gestaltung seine Hand mit im Spiel hatte. Und ebenso unübersehbar ist die rundum sorgfältige Verarbeitung.

Wer es sich im hellen Leder bequem macht, der mag gar nicht daran denken, dass man mit diesem Auto auch durch tiefe Schlammlöcher fahren kann, wobei man statt der glänzenden Straßenschuhe dann für den Fall des Falles lieber robuste Stiefel trägt. Deshalb sind die Gummimatten im Fußraum alles andere als ein Fehlgriff, sondern eine exakt auf den Einsatzbereich dieses Autos zugeschnittene Lösung. Wir ersparten ihm allerdings die Schlammpassagen, wühlten uns stattdessen durch eine gewaltige Sandgrube. Ein tückischer Untergrund, wenn man einmal etwas tiefer in lockeren Sand gerät. Doch unser Range hatte keine Probleme, gab einen überzeugenden Vorgeschmack dessen, was er im Ernstfall in noch viel schwierigerem Gelände kann, für das er dann auch eine spezielle Geländeuntersetzung mitbringt.

Und das, obwohl er bei der Entwicklung der dritten Generation eines traditionellen Grundgerüstetes beraubt wurde, seines robusten Leiterrahmens nämlich. Denn die BMW-Ingenieure, die sein Package entwarfen, setzten stattdessen erstmals auf eine selbstragende Karosserie. Er hat sie und es verblüfft, wie stabil und verwindungssteif dieses Auto trotzdem geworden ist. Der zweite Bruch mit der alten Off-Road-Tradition sind die nun einzeln aufgehängten Räder. Auch das allerdings ohne irgendwelche Einbußen bei der Geländetauglichkeit. Ja, der neue Range Rover hat dadurch sogar noch erheblich an Bodenfreiheit gewonnen.

Größer geworden ist das Platzangebot. Denn der neue Range Rover bietet Raum fast im Überfluss. Für Fahrer und Beifahrer ebenso wie für die Mitfahrer im Fond. Und mit wenigen Griffen lässt sich der mit 535 Liter bereits respektable Laderaum bei Bedarf vergrößern, wird aus dem Personenwagen so etwas wie ein Transporter. 4,95 Meter misst der Range Rover in der Länge, 1,96 Meter in der Breite und 1,86 Meter in der Höhe. Ein großes Auto, das zwangsläufig auch einiges Gewicht mit auf die Waage bringt - um die 2,5 Tonnen nämlich. Und mit seiner kantigen Karosserie setzt er dem Fahrtwind viel entgegen - der Luftwiderstandsbeiwert von 0,38 spricht da eine ebenso deutliche Sprache wie die bei hohem Tempo nicht überhörbaren Windgeräusche.

So ist der mit seinem stärksten Motor, dem von BMW stammenden 4,4-Liter-V8 mit einer Leistung von 210 kW (286 PS) zwar recht flott - den Spurt auf Tempo 100 bewältigt er in 9,2 Sekunden - aber alles andere als ein ausgewiesener Sprinter. Aber dafür ist er schließlich gar nicht gebaut und gedacht. Denn der Range Rover dient vornehmlich als flotter Reisewagen und kräftiges Zugfahrzeug. Und wenn man mit ihm auf freier Autobahn unterwegs ist, dann schafft es bis zu Tempo 208. Wobei man von den Motorgeräuschen verhältnismäßig wenig wahrnimmt. Der Preis für hohes Tempo mit dem Range, dessen Fahrwerk mit der elektronisch gesteuertem Luftfederung bestätigt, dass er sich mit komfortablen Limousinen messen kann, ist allerdings ein nicht gerade kleiner Verbrauch. 16,2 Liter/100 km fördert nach Norm die Pumpe aus dem 100-Liter-Tank, der bei flotterer Gangart noch sehr viel schneller leer wird. Das ist der Preis für solchen Luxus. Doch wer 72 00 Euro für den Range Rover mit Benziner ausgeben kann, sollte damit keine großen Probleme haben - eher schon die Umwelt. Aber schließlich ist er kein Großserienauto, das in der Gesamtbilanz entscheidend zu Buche schlägt.

Es geht allerdings auch sparsamer. Denn als zweites Triebwerk gibt es für den Range den 130 kW (177 PS) leistenden Dreiliter-Turbodiesel - einen Reihensechszylinder, der bei 2000/min sein höchstes Drehmoment von 390 Nm liefert. Tempo 179 schafft der und für den Spurt auf Tempo 100 braucht er 13,6 Sekunden. Und mit nur noch 11,3 l/100 km im Durchschnitt ist der Durst dieser Version um einiges verkleinert. Dennoch ist er für einen großen Off-Roader immer noch recht flink und zudem im Geräuschverhalten ausgesprochen komfortabel. Und er ist auch um einiges erschwinglicher, denn sein Preis liegt bei 57 900 Euro.

Das ist immer noch eine Menge Geld für ein Auto. Allerdings bekommt man dafür auch ein recht exklusives Angebot, denn für 2002 sind rund 25 000 und für 2003 rund 30 000 Exemplare geplant. Autos übrigens, mit denen man sich trotz ihrer Größe auch sehr gut im dichten Stadtverkehr bewegen kann, dank feinfühliger Servolenkung und der Fünfgang-Automatik mit Steptronic, die einem die Schaltarbeit abnimmt.

Auch die Sicherheit kommt nicht zu kurz - die aktive mit ABS, elektronischer Bremskraftverteilung, Bremsassistent und Fahrdynamikreglung (DSC) ebenso wie die passive mit Front-, Seiten- und Kopfairbags und den dazugehörigen Gurtsystemen sowie der crashsicheren Karosserie. Schon in drei Wochen steht der neue Range Rover bei den Händlern. Und wer vor den hohen Steuern für dieses Auto, dessen Benziner leider nur die Norm Euro 2 erfüllt, zurückschreckt, dem sei als Trost mitgegeben, dass sich dieses Auto bei uns auch nach Gewicht besteuern lässt. Das spart nämlich eine erhebliche Menge Geld.

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