Zeitung Heute : Zum Luft holen

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Eine der bedrohlichsten biologischen Waffen ist beinahe entschärft. Wie kommt es, dass die Angst vor Milzbrand bald der Vergangenheit angehören könnte?

Infektionen mit Milzbrand, auch Anthrax genannt, sind extrem selten – 1994 trat in Deutschland ein Fall mit Hautmilzbrand auf. Umso mehr ist das hartnäckige Bakterium „Bacillus anthracis“ als Biowaffe gefürchtet. Denn wenn man zu spät behandelt, greifen die Antibiotika nicht mehr, und „ein fortgeschrittener Zustand von Lungenmilzbrand endet meistens tödlich“, wie das RobertKoch-Institut feststellt (www.rki.de). Kein Wunder also, dass Wissenschaftler nach einem wirksamen Schutz gegen den Erreger suchen.

Wie US-Forscher nun berichten, entwickeln sie eine neue Form der Milzbrand- Impfung: ein Puder, der sich einfach schnupfen lässt. Bisher kann eine Impfung gegen Milzbrand nur in Form von Injektionen verabreicht werden – ein Problem gerade im Falle eines bioterroristischen Anschlags. „Unsere Entdeckung einer Puderform könnte zu einer hocheffektiven, flexiblen und mobilen Milzbrandimpfung führen“, sagt der Studienleiter Vince Sullivan, der die Innovation am gestrigen Mittwoch auf dem jährlichen Kongress der „American Chemical Society“ vorstellte.

Noch ist die Impfmethode nicht an Menschen geprüft. Erste Tierversuche aber verliefen erfolgreich. So impften die Forscher Kaninchen und verabreichten ihnen eine normalerweise tödliche Dosis Milzbranderreger. Der Befund: 83 Prozent der Tiere überlebten. „Es kann also nicht von einer Heilung die Rede sein“, sagt Sullivan, „aber von einem besseren Schutz für Risikogruppen“ – etwa für bestimmte US-Truppen. Für die Gesamtbevölkerung bestehe dagegen jetzt nicht die Notwendigkeit sich zu schützen. bas

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