Zeitung Heute : Zum MBA nach Singapur

Akademiker können sich im Ausland weiter qualifizieren: Die World Grad School Tour zeigt, wie’s geht

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Bachelor in Sydney, Praktikum in Tokio und Master in London. Fast 700000 deutsche Graduierte zogen es 2004 sogar vor, einen Doktor im Ausland zu machen. Insgesamt wollten über zwei Millionen Studierende in einem anderen Land einen akademischen Grad erlangen. Die Möglichkeiten sind dabei nahezu unbegrenzt. Doch es gibt neben dem Fach und dem Gastland noch andere Faktoren, die entscheidend sind bei der Wahl der Universität: der Ruf der Hochschule, die Studiendauer, die Lehrform sowie die entstehenden Kosten. Wer sich genau informieren will, kann entweder die Internetseiten der Unis aufrufen – oder zu einschlägigen Bildungsmessen gehen. Eine dieser Messen kommt am 6. Oktober nach Berlin, die „World Grad School Tour.“

„Wir wollen den Studierenden in vier Stunden die Möglichkeit geben, mit Vertretern ihrer künftigen Gastuniversität in Kontakt zu treten“, sagt Elke Schwarz vom Veranstalter, QS Ltd. Das Unternehmen mit Sitz in London hat sich darauf spezialisiert, Bildungsmessen auszurichten. Zwölf Jahre konzentrierte sich die Arbeit von QS auf den Abschluss „Master of Business Administration“ (MBA). Doch nicht alle Karrieren bedürfen eines MBA. Deswegen wurde vor fünf Jahren die Bandbreite erweitert: Die erste „World Grad School Tour“ ging auf Reisen. Auf dieser Tour werden seither auch Master und Doktorenprogramme präsentiert. Sogar für die Geistes- und Sozialwissenschaften gibt es ein üppiges Angebot. „Auch wenn sich drei von vier Graduierten nach einem Studiengang in Wirtschaft, IT-Branche oder Recht umsehen“, sagt Tim Rogers von QS Ltd., „gewinnen auch die Social-Sciences-Studiengänge zunehmend an Aufmerksamkeit.“ Ein Grund dafür sei, dass die weltweite Rezession dazu anrege, sich noch eine breitere Zusatzqualifikation anzueignen. Der Arbeitsmarkt verlange flexible Ausbildung und flexible Lernende.

Aber auch die Anbieter können nicht einfach auf qualifizierte Bewerber warten. „Da, wo es um Exzellenz geht, muss geworben werden“, sagt Michaela Kirchner, eine Berliner Bildungs-Event-Managerin. An deutschen Unis werde derzeit wenig über Marketing nachgedacht. „Traditionell haben die deutschen Unis einen guten Ruf, aber aktuell stehen sie unter einem hohen Reformdruck.“

Vielleicht sind deshalb, laut QS-Sprecher Tim Rogers, die deutschen Studenten zielstrebiger als anderswo. „Es gibt hier auf unserer Tour-Station viel weniger ,Shopper’“, sagt er und meint damit die Besucher, die von Stand zu Stand gehen und nicht wissen, ob sie ihren Doktor in Japan oder Brasilien machen wollen.

Das bestätigt Helmut Wieser von der Universität von Calgary. Als die Kanadier das erste Mal nach Deutschland kamen, wussten sie nicht, was sie erwarten sollten. „Wir waren erstaunt, wie viele interessierte Studenten zu unserem Stand kamen“, sagte Wieser. „Sie waren gut vorbereitet, zielgerichtet und stellten viele Fragen.“

Das liege zum Teil auch daran, dass die Zeit der Veranstaltung sehr begrenzt ist. Nur vier Stunden haben die „Rekruter“, wie sie im angelsächsischen Raum heißen, Zeit, um im Berliner Marriott-Hotel für das Interesse der Absolventen zu werben. Und weil die Messe abends stattfindet, können auch diejenigen kommen, die schon im Berufsleben stecken. Laut einer Umfrage sind zwei Drittel der Messebesucher bereits in einer Anstellung. Die haben keine Zeit zum Schlendern.

Die Universität Leiden nimmt beispielsweise zum vierten Mal in Folge an der Messe teil. Die Umstellung auf das Bachelor-Master-System ist in den Niederlanden schon weit vorangeschritten. Das zieht ausländische Studenten an: „Zehn Prozent der Studierenden kommen aus dem Ausland, vor allem aus Amerika, Deutschland oder Griechenland“, sagt Sprecherin Nanda de Bruin. „Dabei hilft, dass wir uns auf Englisch als Unterrichtssprache geeinigt haben.“ Andere haben sich auf diesem Markt schon seit Jahrzehnten etablieren können. Singapur ist mit 14 Instituten sehr präsent auf der Messe.

Und auch im Heimatland der englischen Muttersprachler stieg der Anteil Nicht-Einheimischer an der Uni in den letzten Jahren: „Momentan kommt jeder Vierte unserer Teilnehmer an Master-Studiengängen aus einem von 152 Ländern außerhalb Großbritanniens“, sagt Phil Moss von der London School of Economics (LSE).

Schließlich geht es auch um eine ganze Menge Geld, und große Investitionen wollen überlegt sein. Ein Master-Studiengang in England zum Beispiel kostet gut und gerne 5500 Pfund. „Zusätzlich ist das Leben in England sehr teuer“, gibt Moss zu, „aber es gibt auch für ausländische Studierende eine Vielzahl an Stipendien-Möglichkeiten.“

Die World Grad School Tour findet am Donnerstag, dem 6. Oktober 2005, im Marriott-Hotel am Inge-Beisheim-Platz von 17 bis 21 Uhr statt. Der Eintritt ist kostenlos. Mehr Infos unter: www.topgraduate.com

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