Zeitung Heute : Zum nächsten "iDay" am 6. November soll die Auslieferung der bunten Geräte endlich klappen

Axel Seidemann

Begeistert berichtet die Fachpresse über die neuen Apple-Computer: Da gibt es das iBook als tragbares Einsteigergerät zum Surfen und Spielen, den neuen iMac und den iMac DV (digitales Video) sowie den G4 Macintosh für höhere Ansprüche. Nur so richtig im Laden sind all diese bunten Computer noch nicht zu finden. Kunden stöhnen über lange Lieferzeiten. Händler fragen sich, was sie verkaufen sollen, wenn sie keine Ware geliefert bekommen.

Von den am 31. August vorgestellten G4-Rechnern tauchen erst jetzt "tröpfchenweise" die ersten Geräte auf, wie von einer Einkäuferin der Computerhandelskette Gravis in Berlin zu erfahren war. Selbst die schon am 21. Juli präsentierten iBooks haben erst vereinzelt den Weg in die Läden gefunden und werden dort vorerst als Präsentationsgeräte stehen bleiben - die zugehörige AirPort-Technik für die drahtlose Internet-Verbindung ist in Europa noch nicht lieferbar. Auch von den am 6. Oktober vorgestellten iMacs DV sind bisher erst wenige angekommen. Gravis rechnet allerdings in Kürze mit "einem großen Schwung iMacs". Zum ersten offiziellen "iDay", bei dem die Mac-Händler kürzlich die neuen Produkte in ihren Geschäften präsentieren konnten, hatte kaum einer mehr als ein iBook und einen neuen iMac vorzuweisen. Viele Kunden, die gleich ein iBook mitnehmen wollten, mussten auf später vertröstet werden.

Apple hat derzeit einen Auftragsrückstand von rund 700 Millionen Dollar, der mit Lieferschwierigkeiten des Prozessorherstellers Motorola begründet wird. Ein Mitarbeiter der Handelsgruppe teampoint in Würzburg meinte, es gebe Apple-Produkte derzeit "nur in homöopathischen Dosen". Die Engpässe brachten dem Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino einen geringeren Quartalsgewinn ein als eigentlich erwartet. Auch der Umsatz ging im dritten Quartal um 14 Prozent auf 1,34 Milliarden Dollar zurück.

Nun beginne sich die Lage langsam zu entspannen, erklärte Apple-Sprecher Frank Limbacher. Apple liefere derzeit die ersten iBooks in kleinen Stückzahlen an Händler und an die Endkunden, die über den Apple Store im Internet bestellt hätten. Von den iMacs DV seien bereits einige auf dem Weg in die Läden und auch schon verkauft worden. Die "kleinen" G4-Rechner, die noch auf der alten G3-Hauptplatine aufgesetzt sind, sind bereits seit einiger Zeit zu haben, die großen sollen nun bald folgen. Ab dem ersten Halbjahr 2000 soll dann auch IBM Prozessoren des Typs PowerPC G4 für den Einsatz in Macintosh-Rechnern produzieren.

Eine andere Ursache für die Probleme liegt in Taiwan: Durch das große Erdbeben kam es zu erheblichen Engpässen in der Zulieferindustrie. Außerdem stiegen die Preise für Arbeitsspeicher-Bausteine (RAM) um mehrere hundert Prozent, da die Fabriken zerstört oder beschädigt wurden.

Zur Verbesserung der Liefersituation bei den G4-Rechnern hat sich Apple entschlossen, einen um jeweils 50 Megahertz langsameren Prozessor als ursprünglich geplant einzubauen. Auf diese Weise wolle man Chip-Hersteller Motorola entgegen kommen und die Ausbeute bei der Produktion des in Zusammenarbeit mit IBM entwickelten Chips verbessern, erklärte Apple-Sprecher Frank Limbacher.

Trotz der stark erhöhten RAM-Preise bietet Apple die im Sommer vorgestellten Konfigurationen für den G4 noch zum gleichen Preis an, allerdings mit den etwa zehn Prozent langsameren Prozessoren als die damals vorgestellten Modelle mit 400, 450 und 500 Megahertz. In rechenintensiven Programmen wie der Bildverarbeitung ist der G4 trotzdem bis zu doppelt so schnell wie ein PC mit einem Pentium-III/600 MHz PC, da er von der Technik der "Velocity Engine" profitiert, die Rechenbefehle gleichzeitig auf mehrere Daten anwenden kann.

Rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft will Apple Deutschland seine so genannten iTeams einsetzen, die in den großen Elektronikkaufhäusern wie Karstadt, MediaMarkt, SaturnHansa und Schaulandt für die dort seit kurzem angebotenen iProdukte werben und sie erklären sollen. Derzeit läuft noch die Auswahl und Ausbildung der geeigneten Bewerber für diese Gruppen, die den Macintosh-Neulingen und Windows-Umsteigern den Umgang mit dem System demonstrieren sollen. Am 6. November soll dann ein weiterer "iDay" bei den großen Einzelhändlern stattfinden.

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