Zeitung Heute : „Zum Papst wähle ich…“

Was das Konklave ist und wer darin auf ganz geheime Weise den Stellvertreter Gottes bestimmt

Martin Gehlen

Das Konklave, die Versammlung der wahlberechtigten Kardinäle, muss frühestens 15 und spätestens 20 Tage nach dem Rücktritt oder Tod des Papstes zusammentreten – abgeschieden von der Außenwelt in dem Gästehaus der Heiligen Martha hinter den hohen Mauern des vatikanischen Palastes. Aus allen Teilen der Welt eilen dann die Kardinäle nach Rom. Die Purpurträger dürfen keine Fotoapparate, Handys und Tonbandgeräte mitbringen, keine Briefe empfangen oder schreiben. Ihnen ist es nicht erlaubt, mit Außenstehenden zu reden, zu telefonieren, Radio zu hören oder fernzusehen. Über die Wahlergebnisse und die Debatten im Vorfeld der Abstimmungen sind sie durch ihren Eid zu lebenslangem Stillschweigen verpflichtet. Zu den Wahlgängen gehen die Kardinäle in die Sixtinische Kapelle. Sie bekommen rechteckige, doppelt zu faltende Stimmzettel mit dem Aufdruck „Eligo in Summum Pontificem“ („Zum Papst wähle ich…) ausgehändigt, auf denen sie einen Namen notieren. Dann treten sie einzeln vor und legen den Stimmzettel in einen Hostienteller, von wo sie in eine Urne gekippt werden. Die Stimmzettel werden dann von drei Wahlhelfern laut ausgezählt, anschließend mit einer Nadel durchstochen, an einer Schnur aufgereiht und verbrannt. Ist die Wahl erfolglos, wird dem Papier ein wenig Pech beigemengt, so dass aus dem Ofenrohr der Sixtinischen Kapelle schwarzer Rauch aufsteigt.

Papst Johannes Paul II. hat nicht nur mehr als 90 Prozent der Kardinäle, die seinen Nachfolger wählen, selbst ernannt, er hat 1996 auch das Verfahren der Papstwahl durch die Apostolische Konstitution „Universi Dominici Gregis“ bis ins Detail neu geordnet. „Indem ich auch die Vorschriften meiner Vorgänger bestätige, verbiete ich jedem, auch wenn er die Kardinalswürde besitzt, zu Lebzeiten des Papstes und ohne Beratung mit ihm, über die Wahl seines Nachfolgers zu verhandeln oder Wahlversprechen zu machen oder diesbezüglich in heimlichen Privatzusammenkünften Beschlüsse zu fassen“, heißt es in Absatz 79 des Textes. Eine Neuerung betrifft das Wahlquorum: Sollte nach den traditionell vorgeschriebenen 28 Wahlgängen die notwendige Zweidrittelmehrheit der Kardinalsstimmen nicht zustande kommen, dann reicht anschließend die absolute Mehrheit der Voten, um Gottes Stellvertreter auf Erden zu bestimmen. Anders als früher muss das Konklave bei zwei gleichstarken Lagern nun keinen Kompromisskandidaten mehr suchen. Insofern könnte der neue Wahlmodus einem ideologisch radikaleren Kirchenmann den Weg auf den Stuhl Petri ebnen. Ist der neue Papst dann gefunden, wird den Wahlzetteln kein Pech mehr beigemischt. Der aufsteigende Rauch bleibt weiß und signalisiert der Welt: Habemus Papam – wir haben einen neuen Papst.

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