ZUM THEMA : Amerika bejubelt bin Ladens Tod

Berlin/Washington/Islamabad - Amerikas Staatsfeind Nummer eins ist tot. US-Elitesoldaten erschossen den Gründer und Chef des Terrornetzwerkes Al Qaida, Osama bin Laden, am Sonntag in Pakistan – knapp zehn Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001. US- Präsident Barack Obama verkündete in Washington den Tod des meistgesuchten Terroristen der Welt in einer Fernsehansprache noch in der Nacht. Nach Informationen des Senders CNN starb der 54-Jährige durch einen Kopfschuss. Seine Leiche wurde umgehend im Meer bestattet. Rund um den Globus warnten Regierungen, der Kampf gegen den Terrorismus sei nicht beendet. Vor dem Weißen Haus in Washington und am Ground Zero in New York feierten hunderte Amerikaner die Nachricht vom Tod bin Ladens.

„Heute Abend kann ich dem amerikanischen Volk und der Welt mitteilen, dass die USA eine Operation unternommen haben, bei der Osama bin Laden, der Führer von Al Qaida und ein Terrorist, der verantwortlich ist für den Mord an tausenden unschuldiger Männer, Frauen und Kinder, getötet wurde“, sagte Obama. „Der Gerechtigkeit ist Genüge getan“, erklärte der Präsident in der Nacht zum Montag weiter. Er betonte: „Bin Laden war kein muslimischer Führer, er war ein Massenmörder von Muslimen.“ Kanzlerin Angela Merkel sprach von einer „guten Nachricht“. Sie habe dem US-Präsidenten ihren Respekt für den Erfolg übermittelt. „Ich freue mich darüber, dass es gelungen ist, bin Laden zu töten“, sagte die Kanzlerin.

Bin Ladens Ende kam in einer 40-minütigen Blitzaktion, die um kurz nach 21 Uhr deutscher Zeit am Sonntagabend begann. Die US-Einheit stürmte einen stark gesicherten Gebäudekomplex in Abbottabad rund 60 Kilometer Luftlinie nördlich der pakistanischen Hauptstadt Islamabad. Bin Laden setzte sich zur Wehr. Bei dem Feuergefecht wurden drei weitere Männer und eine Frau getötet. Unter den Toten sind nach Vermutungen der US-Stellen bin Ladens erwachsener Sohn und zwei Kuriere. Keiner der Amerikaner kam zu Schaden.

Obama erhielt nach eigenen Angaben im August 2010 erste Hinweise auf den Unterschlupf bin Ladens. In der vergangenen Woche habe er ausreichend Informationen gehabt und sich entschlossen zu handeln. Einem US-Regierungsvertreter zufolge wurden die pakistanischen Behörden nach Abschluss der Aktion, an der auch Hubschrauber beteiligt waren, unterrichtet. Dagegen hieß es bei pakistanischen Informanten, es habe sich um ein gemeinsames Vorgehen gehandelt.

Deutsche Sicherheitskreise sehen keine zunehmende Terrorgefahr für die Bundesrepublik. „Für Deutschland gibt es im Moment kein größeres Problem über das hinaus, das wir schon haben, da wir an dem Einsatz nicht beteiligt waren“, sagte ein hochrangiger Sicherheitsexperte dem Tagesspiegel. Das gelte auch für die Einheiten der Bundeswehr in Afghanistan. Der Experte warnte allerdings vor einer „Emotionalisierung bei Leuten, die bin Laden als Heiligen verehrt haben“. Racheaktionen gegen US-Ziele seien nicht auszuschließen, auch nicht in Deutschland.

Stunden nach dem Einsatz ging im Nordwesten Pakistans in einer Moschee eine Bombe hoch, die nach offiziellen Angaben drei Polizisten tötete. Zunächst war unklar, ob ein Zusammenhang mit dem Tod bin Ladens bestand. Die pakistanischen Taliban drohten mit Vergeltung.

Der Tod bin Ladens hat die Aktienmärkte am Montag beflügelt. Während die Aktienindizes in den USA, Europa und Asien kletterten, fielen die Preise für Öl und Edelmetalle. mit dpa/rtr

Ein toter Feind

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