Zeitung Heute : Zum Weinen

Warum die Etiketten zu kompliziert sind

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Das Etikett sollte die Visitenkarte eines Weines sein. Dennoch wird der Verbraucher mit einer Unmenge von Begriffen eher verwirrt statt informiert. Das deutsche Weinrecht verpflichtet zu folgenden Angaben: Anbaugebiet, Qualitätsstufe, Erzeuger, Alkoholgehalt, Nennvolumen und eine amtliche Prüfnummer. Warum Rebsorte, Jahrgang oder eine engere Herkunftsbezeichnung freiwillige Angaben sind, bleibt das Geheimnis der Gesetzesmacher.

Der Deutsche Weinbauverband diskutiert nun innerhalb einer Qualitätsoffensive mit dem schönen Namen „Weinvision 2020“ auch eine Vereinfachung der Bezeichnungen – „immerhin werden 70 Prozent aller Weine am Supermarktregal gekauft“, sagt Verbandspräsident Norbert Weber. Wer könne schon mit einem Etikett etwas anfangen auf dem „Achkarren Schloßberg Spätburgunder“ steht? Nur Kenner. Laien hingegen könnten darunter sowohl einen trockenen als auch einen lieblichen, einen Prädikats oder Qualitätswein vermuten. Der Weinvision nach sollen bald auf jeder Flasche deutschen Weins, der um einen bestimmten Grad besser ist als der offizielle „Qualitätswein“, drei Angaben in den Vordergrund treten: Anbaugebiet, Rebsorte und die Qualitätsbezeichnung „Klassik“ (unter der man immer einen trockenen Wein vermuten darf, der als Essensbegleitung geeignet ist) oder „Selektion“ für Spitzenweine.

Auch der Verband deutscher Prädikatsweingüter (VDP) geht mit seiner Klassifikation für „Große Gewächse“ einen Schritt in diese Richtung und gibt dem Käufer Entscheidungshilfe: Ein Großes Gewächs darf nur aus Lagen mit optimalen Wachstumsbedingungen stammen und von traditionellen Rebsorten aus ihrem ursprünglichen Gebiet. Die Erntemenge sollte höchstens 50 Hektoliter pro Hektar betragen. Und der Most muss mindestens spätlesegeeignet sein. Außerdem sind nur traditionelle Herstellungsverfahren erlaubt. Man erkennt solche Großen Gewächse an der „Eins mit der Traube", einem Logo auf dm Flaschenhals oder dem Etikett. Allerdings ziert es nur Weine der Mitglieder des VDP – und dort sind nur etwa 200 von immerhin 15 000 Winzern Mitglied.

Große Weine gibt es also auch außerhalb von Verbänden. Ums Probieren kommt man am Ende nicht herum. Bie

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