Zeitung Heute : Zum Zahnarzt gehen

Wie eine Mutter Berlin erleben kann

Nicola Kuhn

WAS MACHEN WIR HEUTE?

Foto: Mike Wolff

Wenden wir uns einem unangenehmen Thema zu: dem Zahnarztbesuch. Man kann nicht früh genug damit anfangen, steht schließlich überall geschrieben. Da können wir jedenfalls locker mithalten. Jan und Josefine haben ihren ersten Termin absolviert, da waren sie noch nicht einmal richtig auf der Welt. Eigentlich ging es auch nicht um ihr Gebiss, sondern meines. Ausgerechnet am Tag vor der Geburt brach mir ein Stück vom Zahn heraus, sodass wir auf dem Weg zum Kreißsaal einen Abstecher bei unserem Zahnarzt machen mussten. Der staunte. Zu dritt haben wir uns dann auf den Behandlungsstuhl gehievt; der Zahnarzt wiederum musste das kleine Kunststück vollbringen, mit seinen Gerätschaften um meinen überdimensionalen Zwillingsbauch herum zu hantieren. Ein solch unvergessliches Erlebnis verbindet; seitdem hat es mein Zahnarzt bei noch keinem Besuch versäumt, sich nach dem Befinden von Jan und Josefine zu erkundigen.

Kaum war bei ihnen dann das erste Zähnchen zu sehen, haben sich die drei auch persönlich kennen gelernt. Was immer noch früh ist für den ersten Zahnarztbesuch. Aber Jan war beim Krabbeln so unglücklich vornüber gekippt, dass ihm eine ganze Ecke vom nicht einmal ganz ausgewachsenen ersten Zahn abgebrochen war. Und das musste ausgerechnet am Vortag einer Reise geschehen. Aber auch da hat unser Zahnarzt wieder die Nerven bewahrt und uns diesmal beruhigt in die Ferien geschickt. Seitdem ziert Jans niedliches Milchzahngebiss eine verwegen ausgeschlagene Ecke, die bislang allerdings nur mir besonders aufgefallen ist.

Vergangene Woche nun hatten Jan und Josefine ihren ersten offiziellen Termin, mit Voranmeldung und Versicherungskarte. Dafür sind zweieinhalb Jahre genau das richtige Alter. Mich hat gerührt, wie die beiden gleich zum Onkel Doktor rannten. Wir mussten trotzdem im Wartezimmer verweilen, wo wir schon einmal das Mundaufmachen geübt haben. Leider klappte das nicht mehr ganz so gut, als wir dann wirklich an der Reihe waren. Den auf- und abfahrenden Behandlungsstuhl sowie den kleinen gebogenen Spiegel fanden Jan und Josefine zwar großartig, aber in den Mund wollten sie sich trotzdem nicht gucken lassen. Nicht dass ihnen unser Zahnarzt unsympathisch gewesen wäre. Im Gegenteil: Mit seinem orangefarbenen T-Shirt und den kleinen Zahnpasta-Tuben als Geschenk hat er den besten Eindruck auf sie gemacht, da bin ich sicher.

Er selbst war auch hochzufrieden mit seinen kleinen Patienten, obwohl er deren Zähne gar nicht gesehen haben konnte. Schließlich gehe es um das Vertrauensverhältnis. Aber da mache ich mir keine Sorgen. Das ist bei uns seit Geburt hergestellt; wir werden es künftig alle halbe Jahre erneuern. Viel schwieriger gestaltet sich dagegen das Zähneputzen Tag für Tag; zu Hause haben wir keinen fahrbaren Stuhl zu bieten. Zum Glück; so bleibt der Zahnarztbesuch vorerst eine gewisse Attraktion – und wird hoffentlich nicht so schnell zum unangenehmen Thema.

Unter www.kinderzahnaerzte.de ist mehr über Zahnärzte zu erfahren, die sich auf junge Patienten spezialisiert haben.

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