Zeitung Heute : Zur Kur fahren

Heike Jahberg

Wie eine Mutter die Stadt erleben kann

Das Leben kann ganz schön anstrengend sein. Lange Tage im Büro, dann noch die Hausaufgaben kontrollieren, einkaufen, putzen, die Kinder zur Musikschule oder zum Schwimmkurs bringen, Verabredungen treffen – auf Dauer schlaucht das schon sehr. Die Lösung: eine Kur. Und um den Gatten daheim auch mal zu entlasten, bin ich sogar bereit, die Kinder mitzunehmen. Kurzum: Ich will zur Mutter-Kind-Kur.

Meine Freundinnen möchten das auch. Wir alle teilen dieselbe Sehnsucht: Wir wollen an einen schönen, ruhigen Kurort reisen, uns dort in einer freundlichen, gepflegten Unterkunft verwöhnen lassen, mit Massagen und Moorpackungen den müden Körper wieder in Schwung bringen und in Gesprächskreisen und Einzelsitzungen nach Wegen suchen, das Leben optimistischer, schwungvoller und harmonischer zu gestalten. Die Kinder könnten währenddessen töpfern oder sich mit autogenen Traumreisen entspannen, statt Chicken Wings endlich mal gesunde Vollwertkost zu sich nehmen, und nach drei Wochen Kur kommen wir alle glücklich, relaxed und innerlich verjüngt zurück.

Den ersten Anruf habe ich bei Toms Krankenkasse gemacht. Ob das Kind zur Kur könne, wollte ich wissen, und ob ich ihn begleiten dürfe. Die Antwort: Nein. Kinder über sieben fahren allein zur Kur. Es sei denn, ich wäre auch behandlungsbedürftig. Also habe ich anschließend meine Kasse angerufen. „Ich möchte zur Kur“, habe ich gesagt und die Kinder mitnehmen. Die seien aber woanders versichert. „Sie brauchen ein Muster 60“, sagte die Frau, „und ihre Kinder auch.“ Muster 60? Und dann gibt´s die Kur? „Nein, dann beginnen wir mit der Prüfung.“ Und dann gibt es die Kur? „Nein, dann schicken wir Ihnen die richtigen Formulare.“ Und dann? „Dann müssen Sie diese von Ihren Ärzten ausfüllen lassen.“ Und dann, gibt´s dann die Kur? „Dann prüfen wir richtig“, sagt meine Sachbearbeiterin. Leider habe ich da schon aufgegeben – ich war einfach zu erschöpft.

Hilfe beim Antrag auf eine Kur finden Sie unter anderem unter www.kur.org und www.awosana.de. Man kann sich aber auch ein nettes Wochenende in Bad Saarow machen und zur Therme fahren. Bezahlen muss man das aber selber.

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