Zeitung Heute : Zur Unzeit

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Mehrere deutsche Wirtschafts und Unternehmerverbände haben die Abschaffung des Pfingstmontags als arbeitsfreien Feiertag gefordert. Könnte der Pfingstmontag tatsächlich in Frage gestellt werden?

Frankreich hat 2003 den Pfingsmontag als Feiertag abgeschafft und an seiner Stelle einen nationalen Solidaritätstag eingeführt. Vorbild für diese Regelung war Deutschland, wo zum Ausgleich des Arbeitgeberbeitrags zur Pflegeversicherung der Buß- und Bettag in fast allen Bundesländern zum Arbeitstag erklärt wurde. Die Franzosen reagieren ausgesprochen disparat auf die Neuregelung: Einerseits erschien gestern aus Protest nur jeder zweite Arbeitnehmer am Arbeitsplatz. Andererseits hat der Flugzeugbauer Airbus um des sozialen Friedens willen einen ursprünglich für Montag angesetzten Probeflug des neuen Großraumflugzeugs A380 vorsorglich verschoben.

Was lässt sich für Deutschland daraus ableiten? Nicht wirklich Verbindliches. Aber so viel scheint doch klar zu sein: Entsprechende Vorstöße dürften derzeit ins Leere laufen. Im November vergangenen Jahres bereits hatte die SPD nach heftigen Protesten Pläne aufgeben müssen, zur Belebung der Konjunktur den Tag der Deutschen Einheit als arbeitsfreien Tag zu streichen. Jetzt haben Wirtschafts- und Unternehmerverbände eine Streichung des Pfingstmontags als arbeitsfreien Tag ins Gespräch gebracht – und erfahren ebenfalls durchgehend Ablehnung.

Spitzenvertreter der rot-grünen Koalition und der CDU-Arbeitnehmerflügel wiesen die Forderungen zurück. Der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende Joachim Poß und der parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, wandten sich gegen pauschale Arbeitszeitverlängerungen. Beck sagte, man könne „nicht über kulturelle Beliebigkeit jammern und dann den Anker der kollektiven Erinnerung an das eigene kulturelle Herkommen kappen“.

Gerade in der heutigen Zeit, da bei den Menschen der Wunsch nach Orientierung wachse, sei der Sinn des Pfingstfestes besonders augenfällig, sagte der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber. Ein DGB-Sprecher sagte, jetzt seien vielmehr die Arbeitgeber dran, „etwas zu leisten“. mis

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