Zeitung Heute : Zur Verteidigung

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Von Markus Feldenkirchen

Er hat sich mit Sicherheit nichts vorzuwerfen – in Sachen Scharping. Peter Struck, der es nun auf der Hardthöhe richten soll, hat sich immer zurückgehalten, wenn es um Kritik am Verteidigungsminister ging. Vielleicht war das taktisch klug. Struck, der SPD-Fraktionschef, hat nicht einmal in vertraulichen Hintergrundgesprächen böse Dinge über den oft gescholtenen Rudolf Scharping gesagt. Deshalb ist es glaubwürdig, wenn Struck am Tag, an dem er Scharping zum zweiten Mal beerbt, sagt, dass er ihm freundschaftlich verbunden bleibe.

Der Peter Struck tauchte als möglicher Verteidigungsminister schon auf, als es 1998 nach dem Wahlsieg um die Verteilung der Kabinettsposten ging. Damals wollte Scharping den Job gar nicht. Im Machtkampf zwischen Schröder und Parteichef Lafontaine musste Scharping aber schließlich doch auf die Bonner Hardthöhe marschieren und seinen Posten als Fraktionschef räumen. Den bekam Struck – das erste Mal, dass er Scharping beerbte. Damals eine große Überraschung. Der Niedersachse galt als Leichtgewicht in jenem Amt, das einst Männer wie Herbert Wehner mit der ganzen Wucht ihrer Autorität ausgefüllt haben.

Damit konnte der knorrige Struck nicht dienen. Er wirkt cool, aber so ist er nur in der Öffentlichkeit, professionell eben. Deshalb nahm er die Wahl zum Fraktionschef damals lässig auf, und so macht er es nun wieder, jetzt, da man ihn in die Verteidigung schickt. „Ich will das Beste für das Land und für die Bundeswehr tun“, verspricht er am Donnerstagnachmittag. Gleich ganz im Geschäft, kündigt er an, alle Soldaten im Auslandseinsatz rasch zu besuchen.

Acht Jahre war Peter Struck Fraktionsgeschäftsführer, zuständig für Disziplin, Koordination, Logistik. Ein Allrounder mit dem Fachgebiet Finanzen und Haushalt. In einer Mischung aus Respekt und Spott wurde er „begnadeter parlamentarischer Geschäftsführer“ genannt. Damals konnten sich wenige in der SPD vorstellen, dass Struck einmal für Höheres berufen werde.

Dennoch. Als der Soldatenminister Scharping wegen peinlicher Planschfotos oder unpassender Mallorca-Flüge unter Beschuss geriet, stand Struck jedes Mal wieder auf der Liste möglicher Nachfolger, ohne sich selbst ins Gespräch zu bringen. Er war mit seiner Aufgabe als Fraktionschef zufrieden. Und ausgefüllt. Schnell erwarb er sich den Respekt der meisten seiner Abgeordneten, überragende Autorität erwarb er nicht.

Als es im Herbst 2001 darauf ankam, die Fraktion im Vorfeld der Abstimmungen über die Bundeswehr-Einsätze in Mazedonien und Afghanistan geschlossen hinter dem Kanzler zu versammeln, entglitt Struck die Führung. Auch wegen Strucks falscher Einschätzung musste Schröder zum letzten Mittel greifen und die Vertrauensfrage stellen.

Nicht die erste Idee

Struck hat sich nicht nach vorn gedrängt. Der passionierte Motorradfahrer ist gesundheitlich ein wenig angeschlagen, und er hat de facto kein Fachwissen für die Aufgabe, die nun zu bewältigen ist. Auch deshalb war Struck in der Kanzlerrunde am Mittwoch nicht die erste Idee. Zunächst wurde Olaf Scholz ins Gespräch gebracht, der Parteichef in Hamburg und Ex-Innensenator der Hansestadt. Dann aber stellte sich heraus, dass Scholz Kriegsdienstverweigerer ist. Struck musste ran – und widersetzte sich nicht.

Immer wieder wird Struck, der am 24. Januar 1943 in Göttingen als Sohn eines Autoschlossers geboren wurde, als harter Hund beschrieben. Aber mit weichem Kern, nicht herzlos. Als er am Donnerstag gefragt wurde, ob ihm Rudolf Scharping Leid tue, knurrte Struck ein „ja, natürlich“ zurück. Dann schüttelte er den Kopf, als wolle er sagen: Das ist doch selbstverständlich!

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