ZUR PERSON : Thomas Demand

Der gebürtige Münchner gehört international zu den bedeutendsten Fotokünstlern. Gleichwohl kommt er von der Bildhauerei, die er bei Fritz Schwegler an der Düsseldorfer Kunstakademie studierte. Schon damals fügte der 45-Jährige Einzelobjekte wie Rollcontainer, Kleenexboxen in eine räumliche Ordnung, die er dann abfotografierte. Heute geht er den umgekehrten Weg. Ausgehend vom vorhandenen Motiv baut er im Maßstab 1:1 ein Modell aus Hunderten, Tausenden Papieren und Pappen nach, das er wiederum fotografiert. Anschließend wird das Modell zerstört. Erst nach und nach erkennt der Betrachter, dass er eine künstlerisch erzeugte Reproduktion des realen Vorbilds vor sich hat.

Seit zwölf Jahren lebt Thomas Demand in Berlin. Immer wieder wurde der Ruf laut, dass er in der Stadt eine institutionelle Ausstellung bekommen müsse. Erst mit dem neuen Direktor der Nationalgalerie, Udo Kittelmann, wird ihm diese Ehre zuteil. Nachdem er bereits Übersichtsausstellungen im New Yorker Museum of Modern Art (2005) und der Serpentine Gallery in London (2006) hatte, zeigt er nun unter dem Titel „Nationalgalerie“ im Mies van der Rohe-Bau rund vierzig Werke, die alle auf deutschem Quellenmaterial beruhen. Die Motive reichen vom Treppenhaus seiner Münchner Grundschule bis zur gestürmten Stasizentrale in der Berliner Normannenstraße. NK

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