Zeitung Heute : Zurück auf die Baustelle

BERTRAM KÜSTER

Computerspiele, welche die Auszeichnung "gehört in jede Sammlung" verdienen, gibt es selten."Sim City" gehört ganz sicher dazu.Der Urahn aller Aufbau-Simulationen kann heute noch, auch in der Urversion von 1989, faszinieren.Jetzt kann man sich in "Sim City 3000" als Bürgermeister und Stadtplaner in einer Person erneut mit den Problemen einer modernen Metropole herumschlagen.

Am Spielprinzip hat sich seit "Sim City 2000" nicht das geringste geändert.Auf einem anfangs öden Terrain errichten Sie eine Stadt, indem Sie die drei grundlegenden Bereiche Industrie, Gewerbe, und Wohngebiet errichten und diese mit der nötigen Infrastruktur (Strom, Wasser, Straßen) versehen.Was hat sich in "Sim City 3000" gegenüber dem Vorgänger getan? Neben einer rundum erneuerten Benutzerführung wurde natürlich die Grafik verbessert.Sämtliche Gebäude haben nun vier Seitenansichten.Die Baugebiete können nun in drei verschiedenen Ausbaustufen (schwach, mittel und dicht bebaut) angelegt werden, was vor allem für feinere Übergänge zwischen beschaulichen Vororten und den mit Hochhäusern übersäten Innenstädten sorgt.Die Stadt kann jetzt in fünf Zoomstufen betrachtet werden, wobei in den Nahansichten ganze Horden von Sims für ein wesentlich lebhafteres Stadtbild sorgen.So sind in der Nähe von Krankenhäusern tatsächlich Rollstuhlfahrer und an Schulen spielende Kinder und Schulbusse zu sehen.Für Nachrichten über Mißstände oder über Forderungen ihrer Sims sorgt in "Sim City 3000" ein News-Ticker, der die Zeitung aus den Vorgängern abgelöst hat.

In spielerischer Hinsicht halten sich die Veränderungen jedoch in Grenzen.Die Berater spielen eine größere Rolle, denn sie geben nun wirklich wichtige Hinweise zur Situation in der Stadt.Beispielsweise, wenn die Kraftwerke ein zu hohes Alter erreichen oder Fehler im Verkehrssystem ausgemacht wurden.Die öffentlichen Verkehrsmittel stellen im Vergleich zu "Sim City 2000" eine ernstzunehmende Alternative zum Individualverkehr dar.Der Bau von U-Bahn und Buslinien entlastet die verstopften Straßen spürbar.Zur Aufbesserungder der Finanzen ist es möglich mit Nachbarstädten Handel zu treiben, in dem man diesen Strom oder Wasser verkauft oder sich bereit erklärt die Müllentsorgung zu übernehmen.Auch der Bau von Sondergebäuden lohnt sich.

Allerdings müssen dafür meist weniger erfreuliche Nebenwirkungen in Kauf genommen werden.Ein Einkaufszentrum wirkt sich beispielsweise negativ auf die anliegenden Gewerbegebiete aus, während ein Spielkasino die Kriminalität in die Höhe treibt.

Um der erbauten Stadt eine individuelle Note zu verleihen stehen zahlreiche Sehenswürdigkeiten zur Verfügung.Vom Eiffelturm bis zur Sphinx reicht die Palette.Für Berlin gibt es den Fernsehturm, das rote Rathaus, das Brandenburger Tor, die Kongress-Halle und die Gedächtniskirche.Zusammen mit dem Original-Terrain der jeweiligen Städte kann man dann versuchen, Berlin, New York oder Paris in der Simulation nachzubauen - eine echte Herausforderung.Für ständigen Nachschub an Gebäuden sollen die Fans selbst sorgen.Ein Architektur-Tool aus dem Internet ermöglicht ihnen als Sim-City-Architekt tätig zu werden und die Bauwerke dann online für jedermann zugänglich zu machen.

In spielerischer Hinsicht bietet "Sim City 3000" nichts wirklich Neues, ist aber dank der verbesserten Benutzerführung angenehmer zu spielen.Der Städtebau macht genau soviel Spaß wie die beiden Vorgänger.Wer erst mal angefangen hat, hört so schnell nicht wieder auf.Ständig ist man beschäftigt.Der größte Spaß ist es aber immer noch, die mühsam errichtete Stadt am Ende in Schutt und Asche zu legen.Neben Feuer, Erdbeben und Tornados kann man jetzt noch Ufos ihr Unheil verrichten lassen.Die einzige Enttäuschung der Neuauflage: für Godzilla war im Katastrophen-Menü kein Platz mehr.

"Sim City 3000", 80 DM, Systemvoraussetzungen: Pentium 166, 32 MB RAM, 228 MB Festplattenspeicher und Win95/98.

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