Zeitung Heute : Zurück in der Welt der Mode

Die bunten Umhängetaschen von Freitag kennt jeder. Nun haben die Schweizer Neuland betreten

Nein, das ist kein Leder. Aus Lkw-Planen kann man auch klassische Taschen machen. Foto: Promo
Nein, das ist kein Leder. Aus Lkw-Planen kann man auch klassische Taschen machen. Foto: Promo

Das Züricher Brüderpaar Daniel und Markus Freitag hat erreicht, was nicht vielen gelungen ist: Sie haben einen echten Klassiker geschaffen. Ihre bunten Taschen aus recycelten Lkw-Planen, für die sie sich von Fahrradkurieren inspirieren ließen, lancierten in den neunziger Jahre einen ganzen Trend. Zahlreiche Firmen brachten Kopien auf den Markt, das Original blieb aber „die Freitag“. Das Urmodell von 1993 schaffte es sogar in den Olymp des Produktdesigns, die Sammlung des New Yorker Museum of Modern Art.

Mittlerweile sind die Taschen keine Trendprodukte mehr, sondern Klassiker. Behutsam erweiterten die Brüder ihr Sortiment, entwarfen Taschen in verschiedenen Größen, Einkaufsbeutel und Portemonnaies, die Ästhetik blieb aber typisch Freitag, geprägt von bunten Kunststoffplanen und schwarzen Gurten.

Dabei hätte es Freitag natürlich belassen können. Aber über die Jahre reifte der Wunsch, doch noch etwas anderes zu wagen. „Wer vor 15 Jahren seine erste Freitag gekauft hat, ist heute an einem Punkt in seinem Leben, der nach einer anderen Tasche ruft“, erklärt Pascal Dulex, der bei Freitag für die Kommunikation zuständig ist.

Das war der Impuls dafür, etwas Erwachsenes zu machen: die neue Linie „Reference“. Auf den ersten Blick sehen die 14 Modelle nicht nach Freitag aus, sondern eher wie klassische Ledertaschen. Doch der erste Eindruck täuscht, denn sie bestehen ebenfalls aus alten Lkw-Planen – allerdings aus einfarbigen in zurückhaltenden Tönen, die an patiniertes Leder erinnern.

Für die Firma war schon das eine logistische Herausforderung, denn nach wie vor werden nur gebrauchte Originalplanen verwendet. Stücke in den benötigten Farben werden nun sorgsam aus den meist beschrifteten oder gemusterten Planen herausgeschnitten und aufbewahrt, bis ausreichend Material für eine Kollektion beisammen ist. Dafür bietet sie ganz neue gestalterische Freiheiten. Im Gegensatz zur ursprünglichen Freitag-Linie können die Designer nun auch mit klassischen Schnitten und diversen Details wie Reißverschlüssen und Metallschließen experimentieren. Die neuen Modelle sollen – anders als ihre Vorgänger – in exklusiven Boutiquen angeboten werden. Daher unterwirft sich die Firma erstmals dem üblichen Saisonrhythmus und zeigt auf Modemessen wie der Berliner Premium. Freitag wagt also den Schritt in die schnelllebige Modewelt – wer hätte das von diesem Muster an Beständigkeit erwartet? Jan Schröder

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