Zeitung Heute : Zurück in die Zukunft mit Irans Keeper Philipp Köster würdigt die letzten WM-Schnäuzer

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Früher einmal gehörte er zur serienmäßigen Ausstattung jedes Profis, heute ist er zumindest im deutschen Fußball komplett ausgestorben: der Schnauzbart. Bis auf ein paar hoffnungslos antiquierte Vereinsärzte trägt in der Bundesliga niemand mehr den Klempnerbalken auf der Oberlippe, er wird bundesweit geächtet wie sein kongenialer Partner, die fransige Nackenmatte mit Stirnbürste.

Umso schöner, dass die WM nun diese längst vergangene Epoche zurück in die Gegenwart holt. Vorgestern jauchzte ich vor dem Fernseher, es spielte nämlich der Iran mit seinem Keeper Ebrahim Mirzapour. Der trägt einen beachtlichen Schnauz und sieht damit genauso aus wie der Mechaniker, der mein Auto immer durch den Tüv kriegt. Unterstützt wurde Mirzapour gegen Mexiko übrigens ausgerechnet vom Trainer des Gegners. Ricardo La Volpe pfeift nämlich ebenfalls auf die glatt rasierten Konventionen und trägt einen Oberlippenbart spazieren, den wir in dieser Opulenz das letzte Mal in französischen Erotikfilmen der siebziger Jahre sahen. Zu schön die Vorstellung, dass das Mode machen könnte, auch im deutschen Team. Podolski und Schweinsteiger mit buschigen Schnauzbärten, und Michael Ballack lässt sich ein dünnes Cabaret-Bärtchen wachsen?

Und wenn erst wieder die Bärte en vogue sind, kommt sicher auch mit Macht die Pierre-Littbarski-Gedächtnisfrisur zurück. Dann tragen Per Mertesacker, Arne Friedrich und Philipp Lahm jenen legendären geföhnten Igelschnitt mit gletscherartigen Ausläufern im Nackenbereich. Bis dahin rufe ich den Herren Mirzapour und La Volpe zu: Haltet durch! Und denkt immer daran: Die allergrößte Härte – sind Oberlippenbärte!

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