Zeitung Heute : Zurück ins Geschäft

Nach der Krise soll der Aufschwung kommen – wie deutsche Unternehmen das erreichen wollen

Maurice Shahd

Karstadt-Quelle will sich von Beteiligungen trennen. Ist die Konzentration auf das Kerngeschäft ein Erfolg versprechendes Modell?

Der neue Chef des Handelskonzerns Karstadt-Quelle räumt auf. Um den angeschlagenen Gemischtwarenladen wieder flott zu machen, kündigte er an, sämtliche Beteiligungen wie die Kooperation mit der Kaffeehauskette Starbucks, dem Sportfernsehen DSF und einer Kette von Fitnessstudios zu überprüfen und gegebenenfalls zu verkaufen. Das Ziel von Christoph Achenbach: die Konzentration auf die Kerngeschäfte des Konzerns.

Grundsätzlich war die Entscheidung seiner Vorgänger, in neue Geschäftsfelder zu expandieren, nicht falsch. Die Karstadt-Warenhäuser stecken in einer tiefen Krise. Die Konkurrenz von Textilketten wie H & M, Discountern wie Aldi oder SB-Warenhäusern auf der Grünen Wiese setzt ihnen immer stärker zu. Da war es nur logisch, nach neuen Chancen zu suchen. Allerdings hat der Handelskonzern mit seiner Expansion in neue Märkte bisher auch kein wirklich glückliches Händchen bewiesen. Karstadt-Quelle ist auch Deutschlands zweitgrößter Versandhändler und neben der Lufthansa mit 50 Prozent am Touristikkonzern Thomas Cook beteiligt – doch dem Versandhandel macht die allgemeine Konsumflaute zu schaffen, und der Tourismus leidet unter den Nachwirkungen der Terroranschläge vom 11. September 2001.

Erfolgreicher agierte der Handelskonzern Metro. Vorstandschef Hans-Joachim Körber stellte das Geschäft vor einigen Jahren auf die Säulen Großhandel, Lebensmittel, Warenhäuser und Elektronikmärkte. Andere Beteiligungen wie den Computerhändler Vobis, die Schuhgeschäfte Reno oder die Modekette Adler stieß Körber ab. Zwar läuft auch bei der Metro nicht alles rund: Die Warenhauskette Kaufhof und die Lebensmittelsparte („Extra“, „Real“) arbeiten zwar profitabel, aber ein hohes Wachstum ist von ihnen nicht zu erwarten. Das kann der Konzern aber ausgleichen, weil Metro frühzeitig in andere Vertriebsschienen investiert hat. Mit seinen Großhandelsmärkten, bei denen sich gewerbliche Kunden wie Gastronomen mit Waren eindecken, expandiert Metro in der ganzen Welt. Inzwischen ist der Konzern in 26 Ländern vertreten, macht im Ausland mehr als die Hälfte seines Umsatzes und ist damit relativ unabhängig von der schlechten Konsumstimmung in Deutschland. Zugleich erweisen sich die Elektronikmärkte der Metro, Media Markt und Saturn als wahre Perlen. Im zweiten Quartal legte der Umsatz um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu, der Gewinn sogar um 50 Prozent.

Dass es einen Sinn ergibt, in neue Märkte zu expandieren und neue Kundengruppen zu erschließen, zeigen Discounter wie Aldi, Lidl oder Plus. Neben Lebensmitteln verkaufen sie längst mit großem Erfolg in wöchentlichen Aktionen alles von Turnschuhen über Computer bis zur Bohrmaschine. Das hat den Berliner Elektronikhändler Makromarkt auf die Idee gebracht, das Gegenteil zu machen. Makromarkt verkauft seit kurzem auch Kaffee und Waschmittel. Auch der Kaffeeröster Tchibo überrascht Kunden und Wettbewerber immer wieder mit neuen Ideen. Tchibo verkauft neben Kaffee und seiner Aktionsware auch Versicherungspolicen, Reisen oder Mitgliedschaften in Golfclubs.

Diese Kreativität hat Karstadt zuletzt gefehlt. Ob der neue Chef Achenbach mit dem Verkauf von Randgeschäften Erfolg hat, ist allerdings fraglich. Die Probleme seiner Warenhäuser löst er damit nicht.

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