Zeitung Heute : Zurückgeschrieben

Der Tagesspiegel

Betrifft: Der Konflikt im Nahen Osten und die Diskussion um einen eigenen Palästinenserstaat

Sehr geehrter Herr Frangi, es gäbe doch längst schon einen Palästinenserstaat, hat doch Israel bereits 1947 dem damaligen UNO-Teilungsplan zugestimmt - die Araber, die Israel vernichten und vertreiben wollten, dagegen nicht!

Niemand wäre gegen einen Staat der Palästinenser und Palästinenserinnen, ich bin aber gegen einen Staat der PLO. Denn im Palästina der PLO ist eine freie Meinungsäußerung nicht möglich. Die PLO ist eine diktatorische und terroristische Organisation. Ein Staat, der auf einer PLO-Diktatur, gegründet auf Erpressung und Terror beruht, ist mehr als nur ein Sicherheitsrisiko für Israel. Israel hat ein Recht, sich gegen so etwas zu verteidigen und besetzt deshalb zurzeit zu Recht die so genannte Autonomiegebiete der PLO.

Seit Arafat die Intifada (ein anderes Wort für Krieg) ausgerufen hat, gibt es verstärkt Selbstmordanschläge. Auch so genannte Waffenstillstandserklärungen Arafats werden permanent mit Selbstmordattentaten garniert.

Israel hat ein Recht auf Verteidigung. Es gibt für mich keinen Pälästina/Israel-Konflikt, es ist ein Nahostkonflikt und dabei ist nicht Israel das Problem, die arabischen Staaten sind das Problem.

Klaus Lügering,

Lingen

Sehr geehrter Herr Lügering, wir Palästinenser waren und sind bereit, über jede Idee zu verhandeln, die sich mit einem fairen und gerechten Frieden befasst, die auf internationalem Gesetz beruht und auf der Gleichheit des israelischen und palästinensischen Volkes. Israels Vorschlag teilte Palästina in vier voneinander getrennte Kantone, die alle von Israel und israelischen Siedlungen umgeben sind. Ein solcher palästinensischer Staat würde weniger Herrschaft und Lebensfähigkeit haben als die von der südafrikanischen Apartheidregierung geschaffenen Bantustans. Wir haben Israels Existenzrecht bereits 1988 anerkannt und wiederholten diese Anerkennung bei verschiedenen Gelegenheiten, so 1991 in Madrid und erneut im Oslo-Abkommen im September 1993. Israel hingegen muss das palästinensische Existenzrecht noch formal anerkennen.

Nicht nur seit der Madrider Konferenz von 1991 wartet das palästinensische Volk geduldig auf seine Freiheit und Unabhängigkeit, trotz Israels unaufhörlicher Politik, neue Fakten zu schaffen, indem es Siedlungen in den besetzten Gebieten baut.

Die Wohneinheiten der Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten, exklusive Ost-Jerusalem wohlgemerkt, wuchsen seit dem Oslo-Abkommen um 62 % und die Siedler, einschließlich der von Ost-Jerusalem, wuchs um mehr als das Doppelte. (Bis 1993 waren es 32750, seit der Unterzeichnung des Oslo-Abkommens 1993 wuchs die Zahl auf 53021, allein während der Ära Barak im Jahr 2000 baute seine Regierung 6045 Wohneinheiten, die Regierung Sharon baute 9592 Wohneinheiten bis Ende Oktober 2001). Tatsächlich wünschen wir uns Palästinenser, in Frieden mit Israel zu leben. Aber: Frieden mit Israel muss ein fairer Frieden sein, in dem wir gleichberechtigt sind.

Wir Palästinenser sind bereits einen Kompromiss eingegangen. Im Oslo-Abkommen erkannten wir Israels Herrschaft über 78% des historischen Palästina an; dies entspricht 23% mehr, als Israel nach dem Teilungsplan der Vereinten Nationen von 1947 zugeteilt wurde.

Die Okkupation muss beendet werden, die Siedlungen müssen aufgelöst werden, damit ein lebensfähiger palästinensischer Staat entstehen kann. Das sind die Voraussetzungen für die Schaffung eines dauerhaften und gerechten Friedens.

Abdallah Frangi (Generaldelegierter Palästinas in Deutschland)

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