Zeitung Heute : Zusammenarbeit von Solar- und Bautechnikherstellern - Preise werden sinken

Nicole Schneider

Borkheide ist eine Eigenheimsiedlung südwestlich von Berlin. So mancher Hauseigentümer verbindet hier das Interesse an der Nutzung von Solarenergie. Familie Flamme zum Beispiel. Sie besitzt hier ein Einfamilienhaus, und auf dem Dach sind acht Quadratmeter Solarkollektoren installiert; genug, um das Wasser im Haushalt zu erwärmen. Das ist nur ein Beispiel für den Siegeszug der Solartechnik auf dem Markt: Eingeleitet durch die Förderungen von Bund und Ländern besiegeln den Siegeszug die ersten Kooperationen zwischen Herstellern von Solartechnik und Baukonzernen.

"Wasser nutzen zu können, das allein durch die Sonne erwärmt ist, gibt ein gutes Gefühl. In den Sommermonaten ist die Heizung ausgeschaltet, und wir sparen dadurch Kosten", sagt Frank Flamme. Er ist zufrieden mit seiner Investition, obwohl die Anschaffung der Anlage nicht ganz billig war. Insgesamt kostete die Nachrüstung seines Hauses mit einer thermischen Solaranlage 11 000 Mark. Durch das Förderprogramm der Bundesanstalt für Wirtschaft erhielt die Familie 20 Prozent des Geldes zurück. Für die Antragsstellung war ein dreiseitiges Formular auszufüllen. Danach ging alles ganz flott: Er reichte die Rechnung der Handwerker über den Einbau der Anlage ein und wenige Wochen später überwies die Bundesanstalt die Fördermittel.

Das Besondere bei der Solaranlage der Familie Flamme liegt darin, dass die Flachkollektoren in die Struktur des Daches integriert sind. Für die Montage entfernten Techniker die Dachziegel und ersetzten sie durch Kollektoren. Sogar farblich sind die Solarkollektoren auf die Dachziegel abgestimmt. Dadurch stören die "Energieziegel" nicht die Harmonie des Daches. "Die Anlage passt gut zu unserem Haus," sagt Flamme.

Das integrierte Solardachsystem entwickelte die Firma Alligator Sunshine Technologies GmbH. Das Unternehmen suchte ein maßgeschneidertes Konzept für Ein- und Mehrfamilienhäuser. Inzwischen vertreibt Alligator seine Solaranlage gemeinsam mit Eternit. Die Aktiengesellschaft ist als Baukonzern auf die Produktion von Dach- und Fassaden-Elemente spezialisert. Schon eine Kollektorfläche von 4,4 Quadratmetern deckt bis zu 68,5 Prozent des durchschnittlichen jährlichen Bedarfs an warmen Wasser bei einem Vier-Personen Haushalt.

Diese und andere Kooperationen zwischen Bauunternehmen und Herstellern von Solartechnologie zeigen, dass die alternative Technik vor dem Durchbruch am Baumarkt steht. Große Baukonzerne vertreiben ihre Produkte zumeist über ein flächendeckendes Netz von Händlern. Das erhöht die Absatzzahlen der Solartechnologien Die Hersteller produzieren größere Stückzahlen, und das führt über kurz oder lang zu günstigeren Preisen. Der Verbraucher profitiert.

Auf regenerative Energien setzt auch der Hersteller von Massivhäusern Fundamenta. In diesem und im nächsten Jahr stattet er alle Ein- und Mehrfamilienhäuser mit einer thermischen Solaranlage aus. Die liefert das Unternehmen Phönix Sonnen Wärme AG. Standard sind bei jedem Haus zwei Flachkollektoren mit zusammen 4,7 Quadratmetern Grundfläche. Das reicht aus, um den Haushalt während der Sommermonate mit warmen Wasser zu versorgen. Die "Sonderausstattung" kostet den Bauherren keinen Pfennig. "Viele Hersteller von Massiv- und Fertighäusern sollten sich an dieser Kooperation ein Beispiel nehmen", sagt Holger Freyer. Das Vorstandsmitglied der Phönix Sonnen Wärme AG meint, dass eine Solaranlage heute zu jedem Neubau gehören sollte - "so wie in den dreißiger Jahren ein Volksempfänger," sagt er.

Einen wachsenden Anteil am Markt für Solaranlagen haben neben den herkömmlichen Flachkollektoren die Röhrenkollektoren. Sie verfügen über eine höhere Leistung, die Wärmeproduktion liegt um 15 bis 20 Prozent über dem Schnitt der Flachkollektoren. Allerdings sind auch die Anschaffungskosten wesentlich höher. Eine thermische Solaranlage mit Röhrenkollektoren von vier Quadratmetern kostet 14 000 Mark.

Trotz der recht hohen Preise boomt die Branche für Solartechnologie. Die jährlichen Zuwachsraten lagen in den letzten fünf Jahren zwischen 20 und 30 Prozent. Argumente gegen die Produktion von Strom und Wärme aus der Sonne, meint Phönix-Chef Freyer, gibt es kaum. Denn die Energie entstehe ohne Abfall und sonstige Emissionen. "Wirtschaftlich betrachtet sparen Hausbesitzer von thermischen Solaranlagen bei den heutigen Energiekosten 200 bis 250 Mark pro Jahr", sagt Holger Freyer.

Bis die Einbaukosten von etwa 9000 Mark wieder erwirtschaftet sind, dauert es Jahre. Allerdings gibt es eine ganze Reihe von Förderungen. Sie verringern die finanzielle Belastung. Das Bundesamt für Wirtschaft (BAW) gewährt seit dem 1. September 1999 eine einmalige Förderung von 250 DM pro Quadratmeter Flachkollektorfläche. In ihren Genuss kommen Bauherren von Ein- und Mehrfamilienhäusern. Einen anderen, allerdings nicht zusätzlich erhältlichen "Ökobonus" zahlt das Finanzamt. Im Rahmen des Eigenheimzulagegesetzes gibt es nach dem Einbau der Solaranlage jährlich und dann insgesamt acht Jahre lang zwei Prozent der Kosten zurück, maximal 500 Mark pro Jahr. Der Bund fördert sowohl Altbauten als auch Neubauten. Dagegen subventioniert die Investitionsbank Berlin (IBB) die Installation von Sonnenwärme-Anlagen nur dann, wenn das Gebäude vor 1991 errichtet wurde. Ist dies der Fall, gibt es 30 Prozent Zulage.

Trotz umfangreicher Förderprogramme ist die IBB mit der Zahl in Berlin eingebauter Solaranlagen nicht zufrieden. Zu den Ursachen vermerkt das Kredithaus des Landes in seinem Solarbericht 1999: "Ein Fördersatz in der Höhe von nur 30 Prozent, der Stichtag für errichtete Ein- und Zweifamilienhäuser sowie eine Förderung eingeschränkt auf Anlagen, die von Fachbetrieben errichtet werden, hemmen die vermehrte Nutzung von Solaranlagen."

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