Zeitung Heute : Zusammenhänge sehen

Bilder wirken, wenn sie ihren Platz finden und in ihrer Umgebung den richtigen Ton treffen

Dirk Engelhardt
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Kubanische Hängung. Bilder brauchen ihren Raum und Zusammenhang, um ihre Wirkung voll zu entfalten. In der Kneipe „La Bodeguita...David Heerde

Welches? Wohin? Womit? „Es sieht sehr simpel aus, wenn das Bild erst an der Wand hängt, erfordert aber doch Überlegung und bewusstes Entscheiden“, sagt der Berliner Galerist Wolfgang Ballhausen. Die Tatsache, dass es schier unendlich viele Motive, Rahmen, Passepartouts und verschiedene Glassorten gibt, macht die richtige Entscheidung schwer.

Am Anfang steht das Bild. Viele Leute wissen, welches Motiv sie gerne aufhängen möchten. Andere haben gar keine oder nur eine vage Vorstellung. Das wichtigste bei der Auswahl ist aber immer, selbst das Bild zu mögen. Assinja Demjjanow, Feng-Shui- und Wohnberaterin, empfiehlt „möglichst keine Totenbilder, keine Bilder mit Blut, Leiden oder mit Gewaltdarstellungen aufzuhängen, selbst wenn diese künstlerisch gesehen einen hohen Wert haben. Kunst ist für den Künstler oft Bewältigung von persönlichen psychologischen Problemen. Diese Energie des Künstlers überträgt sich auf das Bild. Hängt ein solches Bild in der Wohnung, kommt die Energie, ob harmonisch oder nicht, unweigerlich mit. Das ist nicht nur subtil, sondern teilweise auch real wahrnehmbar“.

Ballhausen ist auch die Farbgestaltung wichtig. „Beim Rahmen ist es wichtig, möglichst einen Farbton aus dem Bild zu wählen. Zu harte Kontraste sollten vermieden werden, da der Rahmen sonst wie ein Fremdkörper aussieht“.

Eine witzige Gestaltungsmöglichkeit besteht darin, andere Gegenstände zu zweckentfremden, zum Beispiel einen alten Fensterrahmen oder eine Felge ohne Speichen. Ist der Rahmen ausgewählt, kann man unter verschiedenen Glassorten wählen: normales Fensterglas, das relativ stark reflektiert, Antireflexglas, welches zwar nicht reflektiert, dafür aber etwas matter beziehungsweise milchiger ist, und Museumsglas, das momentan beste auf dem Markt. Es reflektiert kaum und verzerrt im Gegensatz zu den anderen Gläsern weder die Farben noch die Formen des Motivs.

Nun kommt die letzte Entscheidung: Wo soll das Bild hängen? „Der Standard beim Aufhängen eines wertvollen Bildes ist, dass es beim Betreten des Raumes sofort auffällt. Interessant kann aber genauso sein, dass man sich erst umdrehen muss, um das Bild zu sehen. Ein gut gewähltes Bild kann sogar in einer dunklen Ecke mit einer speziellen Ausleuchtung einen ungünstigen Raum aufwerten“, rät Demjjanow.

Durch die geschickte Platzierung eines Bildes kann außerdem das Tageslicht im Raum eingefangen und damit die Wirkung des Raumes verändert werden. Auch die Höhe des aufgehängten Bildes wirkt sich auf das Raumgefühl aus. Das Bild sollte deshalb etwas niedriger hängen, als man im Stehen erwartet. Dadurch wirkt der Raum ruhiger. Des Weiteren ist die Wahl des richtigen Hintergrunds bedeutend. Rahmen, Bild und Hintergrund sollten immer harmonieren. Ein dominantes Muster einer Tapete erdrückt einen schlichten Rahmen und ein stark verzierter Rahmen kann sich mit einer einfachen Tapete beißen. Auch die Farbe der Wand spielt eine sehr wichtige Rolle: grelle Farben lassen sich nur schwer kombinieren, Pastelltöne und Weiß hingegen bleiben immer aktuell, egal was die Mode vorschreibt.

Hat man zuerst die Bilder und streicht dann die Wände, sollte darauf geachtet werden, dass sich die Farben des Bildes nicht so oft in der Raumgestaltung wiederholen. Aber nicht nur der richtige Hintergrund, sondern auch der richtige Raum ist wichtig. Um sich zwischen seinen Bildern so richtig wohl zu fühlen, gibt es ein paar hilfreiche Regeln: „In seinem Schlafzimmer sollte man sich nicht unbedingt direkt aufs Bett schauende Portraits aufhängen“, so Demjjanow. „Anhand kinesiologischer Tests wurde festgestellt, wie Bilder, Geräusche und Farben sich auf den Körper auswirken. Wird der Muskel beim Betrachten eines Bildes geschwächt, ist es nicht das passende Bild. Portraits haben die Eigenschaft, dass man sich, zumindest unterbewusst, beobachtet fühlt und sich verspannt.“

Und was macht man mit einem geschenkten Bild, das man nicht mag? Jedenfalls sollte man es nicht deshalb aufhängen, weil jemand anderes es will. Letztendlich lebt man selbst mit seinen Bildern. Und die haben mehr Kraft als wir manchmal annehmen.

Bilder ausleihen kann man hier:

www.zlb.de/wissensgebiete/kunst_buehne_medien/artothek

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