Zeitung Heute : Zuwanderungsdebatte: Ganz schön hitzig

Der Tagesspiegel

Von Suzan Gülfirat

Jeden Montag im Tagesspiegel: Ein Rückblick auf die in Berlin erscheinenden türkischen Tageszeitungen.

Das Foto aus dem Bundestag, das die Tageszeitung Milliyet am Sonnabend auf ihrer Titelseite zeigte, ähnelte ein wenig den Bildern aus dem türkischen Parlament, wo Tumulte unter den Abgeordneten zum Alltag gehören. Bundeskanzler Gerhard Schröder war inmitten einer Traube von Abgeordneten zu sehen – bei der namentlichen Abstimmung um das Zuwanderungsgesetz. Weil einige Damen und Herren auf dem Foto die Arme gerade in der Luft hatten, scherzte die Milliyet in der Bildunterzeile: „Wer dafür ist, hierher.“ Das heißt also, ganz so schlimm war es nicht. Aber die Überschriften in den türkischen Zeitungen erweckten beim Leser auch nicht den Eindruck, als habe am Freitag im deutschen Parlament eitel Sonnenschein geherrscht: „Duell im Parlament um das Zuwanderungsgesetz“, titelte die Milliyet zu ihrem nachrichtlichen Text. In den Unterzeilen erklärte das Blatt, dass „das deutsche Parlament das Zuwanderungsgesetz gegen den Willen der CDU verabschiedet hat.“ Auf der fünften Seite ging es im ähnlichen Stil weiter: „Während der Debatte um das Zuwanderungsgesetz gab es ein bis dahin noch nie erlebtes Rededuell“, hieß es. Dazu zeigte das Blatt Gerhard Schröder („Missbraucht es nicht“), Kerstin Müller („Das ist rassistisch“) und Otto Schily („Schämt euch“). Im Text hieß es: „Die gestrige Debatte verlief rauh. Als es zur Abstimmung kam, ergriff Schröder das Wort, obwohl er nicht auf der Liste stand.“ Und die Hürriyet berichtete bereits am Freitag vor der Wahl über den „Aufstand der CDU-Rentner“ Rita Süssmuth, Heiner Geissler und Christian Schwarz-Schilling. Einen Tag zuvor brachte die Zeitung ein Interview mit Rita Süssmuth, in dem sie der Hürriyet sagte: „Die Zuwanderung ist kein Wahlkampfthema.“

Am Sonnabend griff das Blatt ein kleines Ereignis am Rande auf: „Als Anke Fuchs die Abgeordnete Leyla Onur als „Layla Onur“ aufrief, korrigierte die Angesprochene die SPD-Parteikollegin und stellvertretende Parlamentspräsidentin: „Ich heiße nicht Layla Onur, sondern Leyla Onur. Das ist ein türkischer Name.“

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