Zeitung Heute : Zwangsweise Sendepause für Thomas Gottschalk

Der Tagesspiegel

Von Wolfgang Hassenstein

Am Samstagabend um Viertel nach Acht guckten die Berliner ganz schön in die Röhre: Statt „Wetten, dass..?“ war auf den Bildschirmen der Hauptstadt nichts zu sehen als das gute alte Testbild. Totaler Bild- und Tonausfall beim ZDF: Und das bei Thomas Gottschalk, dem Quotenkönig des deutschen Fernsehens. Während bundesweit 14 Millionen Menschen seine Show sahen (45,9 Prozent der Zuschauer), mussten ein Großteil der Berliner Zuschauer eine geschlagene halbe Stunde Däumchen drehen.

Ursache war eine Störung bei der Telekom. Um 20 Uhr vier läuteten dort die Alarmglocken: Eine „interne Signalisierung“ meldete einen Fehler auf der Richtfunkstrecke Frankfurt-Hannover-Berlin, erklärte am Sonntag Telekom-Sprecher Ulrich Lissek. Beim Funkturm auf dem Schäferberg kam das Signal nicht mehr an. Die Sendeanlage am Wannsee empfängt normalerweise das Programm, überträgt es ins Berliner Kabelnetz und sendet es zugleich an alle Haushalte, die noch über Antenne empfangen.

Als eine halbe Stunde nach Sendebeginn die Störung – wenn auch provisorisch – behoben war, hatten die Schauspielerin Jutta Speidel und Stefan Effenberg vom FC Bayern München bereits auf Gottschalks Sofa Platz genommen, und Joe Cocker seinen Auftritt bereits hinter sich. „Um 20 Uhr 46 hatte das System eine Ausweichroute berechnet“, erklärte Telekom-Sprecher Ulrich Lissek. Auch Sonntagabend kam das ZDF-Programm noch immer auf Umwegen nach Berlin, und die genaue Ursache der Störung war noch immer nicht bekannt. „Irgendein Bauteil, irgendein Software-Problem, man weiß es nicht“, sagte Lissek. „Details sind von den Technikern in solchen Fällen auch schwer zu erfahren.“

Beim ZDF bedauert man den Sendeausfall. Erst durch Anrufe von Zuschauern war man im Sender auf die Panne aufmerksam gemacht worden. „Aber eine Lawine von Anrufen, hat es nicht gegeben“, sagte ZDF-Sprecher Philipp Baum. Nur „um die 20 Anrufe“ gingen beim ZDF-Zuschauertelefon ein. „Die Leute haben offenbar schnell erkannt, dass wir da nichts machen können.“ Schließlich sei auf dem in Berlin gesendeten Testbild der Hinweis auf den „Sender Schäferberg“ zu lesen gewesen. Deswegen, so glaubt man beim ZDF in Mainz, hätten die Zuschauer geahnt, dass der Fehler nicht in Mainz zu verorten war oder in München, wo „Wetten, dass..?“ diesmal produziert wurde. „Aber eigentlich muss natürlich sichergestellt sein, dass Bild und Ton stets ungestört ausgestrahlt werden“, sagte ZDF-Sprecher Baum.

Die Telekom sagt, ihr tue die Panne Leid. „Dass ist natürlich höchst bedauerlich, dass das ausgerechnet während einer ’Wetten, dass..?’-Sendung passiert ist“, sagte Lissek. „Kabelstörungen in dieser Größenordnung sind immer ärgerlich, aber nicht grundsätzlich auszuschließen. Sicher könnten wir eine doppelte Sicherung für alles einbauen – wenn das vertraglich gewünscht ist. Aber das kostet Geld.“

Nach 31 Minuten war Gottschalk wieder auf Sendung. Während die meisten Cocker-Fans wohl einer Altersgruppe angehören, in der derartige Vorfälle eher milde hingenommen werden, dürften die Fans eines anderen Stars weniger nachsichtig gewesen. Noch gerade rechtzeitig zum Auftritt des US-Stars Britney Spears waren Bild und Ton wieder da. Mit der Nachsichtigkeit der Berliner, zumindest der Teenager unter ihnen, wäre es wohl vorbei gewesen, wenn der Totalausfall auch nur eine Minute länger angehalten hätte.

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