Zeitung Heute : Zwei Abschlüsse aus einer Hand

Sabrina Blaser verband ein Studium an der FHW mit einer Berufsausbildung

Heiko Schwarzburger

Viele Gymnasiasten wählen nach dem Abitur zunächst eine Berufsausbildung, um danach ins Studium einzusteigen. Das kostet einige Jahre, man sammelt jedoch auch wertvolle Erfahrungen in der Praxis. Um Zeit zu sparen, bieten einige Hochschulen eine Kombination aus Beruf und Studium an, meist in enger Zusammenarbeit mit einem oder mehreren Unternehmen.

Die Berliner Fachhochschule für Wirtschaft (FHW) hat gemeinsam mit Siemens ein Programm aufgelegt, in dem die jungen Leute eine Ausbildung zur Industriekauffrau oder zum Industriekaufmann absolvieren und zugleich ein Studium in Betriebswirtschaftslehre durchlaufen. Sabrina Blaser, heute bei Siemens in Hamburg tätig, gehörte zu den ersten Studierenden, die im Herbst 2001 das neue Studium aufnahmen. Es war auf sieben Semester angelegt, als Abschluss winkte ein Bachelor of Business Administration.

Als das Programm im Herbst 2001 startete, war dieser Abschluss noch eine Rarität im deutschen Bildungswesen. Heute hat sich der Bachelor herumgesprochen. Die enge Kooperation der Hochschule mit einem Konzern hingegen ist nach wie vor eine Ausnahme. „Ich hatte mich schon ein Jahr vor meinem Abitur bei Siemens beworben und war gut durch die Auswahlgespräche gekommen“, erzählt die 24-Jährige. „Ich erhielt dann einen Ausbildungsvertrag mit dem Unternehmen, der meine Ausbildung zur Industriekauffrau und das Studium regelte. Die Kosten hat Siemens übernommen.“

Der Konzern bemüht sich, fähige Köpfe möglichst früh und eng zu binden, um ihnen eine interessante Karriere zu eröffnen. Die gebürtige Hamburgerin kam nach Berlin, um an der FHW ihrem Studium nachzugehen und zugleich in der kaufmännischen Schule von Siemens an der Nonnendammallee das kleine Einmaleins der Betriebsführung, des Marketing und des Personalwesens zu büffeln. Die praktische Ausbildung, die in Blöcken von mehreren Wochen organisiert wurde, machte sie in Hamburg. Dort durchlief sie mehrere Abteilungen bei Siemens, von der Personalverwaltung über den Einkauf bis zum Vertrieb von Telefonen. Siemens unterhält in Hamburg unter anderem eine kleine Fertigungsstätte für Leistungsschalter, die beispielsweise in Kraftwerken oder U-Booten zum Einsatz kommen. Nach zwei Jahren – im Herbst 2003 – hatte Sabrina Blaser ihre Berufsausbildung beendet, danach stieg sie voll in ihren Job in Hamburg ein. Bei Siemens Industrie Montage Services arbeitet sie im Einkauf für die erwähnten Schalter und rechnet Kundenaufträge ab. Bis zum Februar 2005 kam sie hin und wieder nach Berlin, um ihr Bachelorstudium fortzuführen und abzuschließen. „Dazu wurde ich extra von meinem Chef bei Siemens freigestellt“, berichtet sie. „Es liegt im Interesse des Unternehmens, uns möglichst konzernnah auszubilden. Jetzt bin ich in einer speziellen Fördergruppe für künftigen Managernachwuchs in der Region Hanse, die Unterstützung geht also auch nach meinem Studium weiter.“

Siemens hat der jungen Frau auch während des Studiums unter die Arme gegriffen: Sie erhielt die obligatorische Ausbildungsvergütung. Das Unternehmen stellte den Studierenden kostenfrei Plätze im konzerneigenen Wohnheim an der Osloer Straße in Berlin-Wedding zur Verfügung. „Von dort konnten wir ziemlich schnell mit der U-Bahn an die FHW fahren“, erinnert sich Sabrina Blaser. „Und weil alle Siemens-Studenten, die nicht aus Berlin kamen, in dem Wohnheim untergebracht waren, konnten wir abends oder an den Wochenenden unsere Studienprojekte in Teamarbeit erledigen. Das hat die Atmosphäre im Studium sehr geprägt. Ich war neu in Berlin, aber durch das Wohnheim fand ich sofort Anschluss.“ Zwischen dreißig und vierzig Studierende nimmt die FHW in jedem Wintersemester in diesem Studiengang auf. In Blasers Kurs waren es seinerzeit dreißig Leute, „eine Größe, mit der man sehr gut durch den Stoff kommt“, wie sie zurückblickend einschätzt.

Allerdings hatte sie damals noch mit Anfangsproblemen zu kämpfen, „denn wir waren ja die Ersten, die dieses Studium aufgenommen hatten“, erinnert sie sich. „ Als erster Jahrgang kam man sich gelegentlich vor wie ein Versuchskaninchen, aber das muss nicht unbedingt schlecht sein.“ Allerdings hätte sich Sabrina Blaser mehr Lehrveranstaltungen in englischer Sprache gewünscht. „Schließlich war das ein internationales Studium, an einer international ausgerichteten Hochschule“, meint sie. „Und wir kamen von einem international tätigen Unternehmen. Nur eine einzige Lehrveranstaltung im letzten Semester wurde auf Englisch gehalten, das war ein bisschen schade.“

Weitere Informationen im Internet: www.fhw-berlin.de

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