Zeitung Heute : Zwei Abschlüsse – viele Möglichkeiten

Die angehende Krankenpflegerin Maria Pannicke paukt für eine leitende Position im Pflegedienst

Fred Winter

Die Evangelische Fachhochschule in Zehlendorf trägt den gestiegenen Anforderungen in der Pflege von Patienten und alten Menschen Rechnungen. Seit einem Jahr bildet sie junge Krankenpflegerinnen und Krankenpfleger aus, die neben ihrer staatlichen Berufsausbildung zusätzlich Stoff über Pflegemanagement oder Pflegerecht pauken. Als Abschluss wird ein international anerkannter „Bachelor of Nursing“ (Krankenpflege) vergeben.

Damit schließt die Hochschule an die hohen Ausbildungsstandards an, die zum Beispiel in Großbritannien und Frankreich schon lange gelten. „Mit diesem Bachelor kann ich später eine Führungsposition in der Pflege ausfüllen“, sagt Maria Pannicke, 20-jährige Studentin aus Schöneweide. „Das ist noch Zukunftsmusik, aber der Hochschulabschluss eröffnet mir deutlich bessere Möglichkeiten als die normale Berufsausbildung.“ Das gesamte Studium dauert vier Jahre.

In Deutschland werden Krankenpfleger gemäß dem Krankenpflegegesetz in einer dreijährigen Ausbildung dazu befähigt, Patienten zu versorgen, ihnen Spritzen zu setzen oder die Einnahme von Medikamenten zu überwachen. Die Kliniken nehmen die junge Leute wie ganz normale Lehrlinge unter Vertrag. An speziellen Lehrkrankenhäusern lernen die angehenden Pfleger ihren Beruf von der Pike auf. Neu an dem Studienangebot der Evangelischen Fachhochschule ist, dass die mit einem stattlichen Examen abschließende Berufsausbildung um akademischen Lehrstoff erweitert wird. Auf diese Weise gehen die Studierenden mit zwei Abschlüssen nach Hause. Der Bachelor öffnet die Türen für eine Karriere im höheren Management der Pflegedienste.

Maria Pannicke hat einen Ausbildungsvertrag mit der Charité in der Tasche. Sie erhält das übliche Lehrlingsgeld, dafür gibt es nur einige Wochen Urlaub im Jahr. Wenn andere Studierende Semesterferien machen, arbeitet sie im „Sophienhaus Bethanien“ in Steglitz oder in der Kieferchirurgie der Charité. Denn in den theoretischen Lehrstoff der Hochschule sind zahlreiche Praktika eingebettet, in denen die angehenden Pflegerinnen und Pfleger nahezu alle Stationen eines Klinikbetriebes durchlaufen.

Allein im ersten Studienjahr hat Maria Pannicke sechs Wochen auf einer Inneren Station der Charité gearbeitet. Hinzu kamen sieben Wochen Praktikum in der Chirurgie. „Mir liegt die praktische Arbeit besser als die Theorie“, bekennt sie. „Im Studium interessieren mich vor allem die medizinischen Module, da haben wir sehr kompetente Dozentinnen.“ Dagegen sei beispielsweise die Pflegetheorie eher eine trockene und dröge Materie, „aber solche Fächer hat man schließlich überall.“

Die Studentinnen – die Krankenpflege ist nach wie vor eine Frauendomäne – haben täglich acht Studen Unterricht. Dazu kommt der Aufwand zur Vorbereitung von Vorträgen, Klausuren oder Hausarbeiten. Da Maria Pannicke in Schöneweide wohnt, muss sie mindestens eine Stunden Fahrzeit bis zum Teltower Damm in Zehlendorf einrechnen – und am Abend wieder zurück. „Diese Zeit nutze ich, um Fachbücher zu lesen oder den Stoff noch einmal durchzugehen“, erzählt sie.

Die Studierenden kommen aus der ganzen Region. Acht Kommilitoninnen stammen wie Maria Pannicke von der Berliner Charité. Andere haben einen Ausbildungsvertrag mit dem Evangelischen Diakonieverein Zehlendorf, mit dem Evangelischen Krankenhaus „Elisabeth Herzberge“, dem Waldkrankenhaus, dem Krankenhaus „Waldfriede“ in Dahlem, dem St. Joseph-Krankenhaus oder der Wannsee Schule geschlossen. Insgesamt 26 junge Leute sitzen im Kurs.

Noch befinden sich die akademischen Weihen für die junge Frau in weiter Ferne. Nach drei Jahren stehen zunächst die Abschlussprüfungen in der Berufsausbildung an. Doch schon jetzt ist Maria Pannicke mit dem Studium zufrieden, „denn die Krankenpflege war mein Wunschberuf“, wie sie sagt. „Meine Erwartungen haben sich vollauf erfüllt. Ich fühle mich durch das Studium an der Hochschule sehr gut auf die Praxis vorbereitet, das konnte ich während meiner Ausbildungsphasen auf den Stationen auch bereits erproben.“

Obwohl der Bachelor höhere Karrieren eröffnet, strebt sie nach dem Studium zunächst eine klassische Laufbahn im täglichen Pflegedienst an. „Nach meinem Abschluss werde ich zwei bis drei Jahre auf einer Station arbeiten, um Erfahrungen zu sammeln“, meint sie. „Erst danach kann ich eine leitende Position anstreben. Auf jeden Fall will ich in Berlin bleiben.“

Ob die Charité ihr in drei Jahren eine Stelle anbieten kann? „Ich hoffe es“, gibt sie sich optimistisch. „Doch wenn hier gar nichts geht, wandere ich nach Österreich oder die Schweiz aus. Dort werden Pflegekräfte händeringend gesucht.“

Weitere Informationen im Internet unter www.bachelor-nursing.de oder direkt bei der Evangelischen Fachhochschule Berlin, Frau K. Hug, Teltower Damm 118-122, 14167 Berlin, Telefon 84582-239 oder per E-Mail an hug@evfh-berlin.de

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