Zeitung Heute : Zwei Etagen oben drauf? Protest gegen Pläne für Loeser + Wolff-Haus

Der Tagesspiegel

Zum Namen „Loeser + Wolff-Haus“ fällt wohl kaum jemandem was ein, dabei gehört das Haus an der Potsdamer Straße Ecke Schöneberger Ufer zu den bekanntesten Gebäuden der Stadt. Das denkmalgeschützte Bauwerk, 1930 vom Architekten Albert Bibendt für die Tabakhandlung entworfen, ist gerade hinter Planen verschwunden, weil für mehr als 20 Millionen Euro modernisiert werden soll. Und noch was haben die neuen Eigentümer vor: Sie wollen das Baudenkmal um zwei Etagen aufstocken. Das stößt auf heftigen Widerstand - vor allem im Haus selbst.

Dort arbeitet seit Jahrzehnten Edgar Wisniewski, einstiger Partner des Architekten, Stadtbaurats und Berliner Ehrenbürgers Hans Scharoun. Im heutigen Wisniewski-Büro entwickelte Scharoun einst die Planung für das Kulturforum und für die Philharmonie, und der Mitarbeiter von früher hat die Büroräume fast unverändert gelassen. Nun soll im Haus viel umgebaut werden, und die Aufstockung dürfte Krönung des Ganzen sein. Das Genehmigungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen, und Wisniewksi hofft, die Behörden doch noch überzeugen zu können, ein Veto einzulegen.

Protestbriefe hat er an Senatsbaudirektor Hans Stimmann geschrieben, an die Untere Denkmalschutzbehörde des Bezirksamts Mitte, an den Leiter des Landesdenkmalamtes, Jörg Haspel. Der antwortete ihm mit dem Hinweis, dass sich das Gebäude als Bauzeugnis der Moderne gerade durch eine Skelettstruktur auszeichne, die flexible Grundrisse ermögliche. Man sehe in den Umbauten die Belange des Investors und des Denkmalschutzes berücksichtigt.

Wisniewski findet es unverständlich, dass einer Aufstockung zugestimmt werden könne, obwohl die anschließenden Gebäude aus der Nachkriegszeit - etwa das DeGeWo-Haus an der Potsdamer Straße - die Höhe des Eckgebäudes fortsetzten und dem zurückgesetzten Dachgeschoss Rechnung tragen. Eine Aufstockung würde die „Proportionen dieses horizontal gegliederten Gebäudes entstellen“, fürchtet Wisniewski.

Die Beos-Projektentwicklungsgesellschaft auf der Eigentümerseite sieht das anders. Das Haus sei, nach zahlreichen früheren Umbauten, vor mehr als einem Jahr in reichlich verwahrlostem Zustand übernommen worden. Man wolle ihm zusammen mit dem Denkmalschutz eine „klare Identifikation geben“. Gerade in so herausragender Lage gegenüber dem Potsdamer Platz müsse die Ecklage betont werden, dazu könne die Aufstockung „in moderner Interpretation“ beitragen. Mit vier Architekturbüros setzte man sich zusammen, darunter Gerkan, Marg und Partner. Beos begründet die Aufstockung auch damit, dass die Statik des Gebäudes mehr Etagen zulasse und selbst Architekt Bibendt damals eine Aufstockung geplant, das Geld aber nicht mehr gereicht habe. C. v. L.

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