Zeitung Heute : Zwei fehlen am Start

Die Winterspiele von Salt Lake stehen möglicherweise vor einem der größten Dopingskandale in der Geschichte der Olympischen Spiele. Die Anzeichen sprechen dafür, dass es sich um Blutdoping handelt. Wegen einer unzulässig erhöhten Hämoglobinkonzentration bei der fünfmaligen Olympiasiegerin Larissa Lasutina konnte die Staffel der favorisierten russischen Ski-Langläuferinnen nicht am olympischen Wettbewerb teilnehmen, den das deutsche Quartett überraschend gewann.

Auch das ukrainische Frauenteam konnte nicht an den Start gehen. Aus diesem Quartett war Walentina Schewschenko betroffen. Bei beiden wurde ein zusätzlicher Urintest vorgenommen, über den sich eine eventuelle Manipulation nachweisen lässt. Auch Goldmedaillengewinnerin Viola Bauer aus Oberwiesenthal musste 90 Minuten vor dem Start zum Bluttest erscheinen. Ihre Werte waren jedoch normal.

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Newsticker: Aktuelle Nachrichten von den XIX. Winterspielen sowie weitere Sportmeldungen Beide Athletinnen wurden vor dem Rennen zu einem Bluttest gebeten und nach dem positiven Resultat seitens des Weltverbandes FIS mit einer vorläufigen Schutzsperre belegt. Anschließend musste das Duo zur Urinprobe. Die Analyse wird ergeben, ob die erhöhten Werte eventuell auf die Einnahme des Blutdopingmittels Epo zurückzuführen sind. Da weder die Russen noch die Ukrainer fristgerecht eine Ersatzläuferin benannt hatten, konnten sie nicht an der Konkurrenz teilnehmen. Dagegen legten die Russen nach dem Sieg des deutschen Quartetts Protest ein, da sie in der Kürze der Zeit keine Ersatzläuferin finden konnten. Man sei nicht rechtzeitig informiert worden, hieß es aus der Mannschaftsführung. "Wir hatten eine sichere Goldmedaille, und sie ist uns genommen worden", meinte Witali Smirnow, der russische Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC).

"Bei einer Athletin wurde eine erhöhte Hämoglobinkonzentration festgestellt. Gemäß unseres Reglements durfte sie deshalb heute nicht am Wettbewerb teilnehmen. Wer die russische Athletin ist, kann nur die Mannschaft sagen", erklärte FIS-Generalsekretärin Sarah Lewis. Ein russischer Offizieller bestätigte danach, dass es sich um Lasutina handelte. Lasutina ist in Russland einer der größten Sportstars. Bei den Olympischen Spielen 1998 gewann sie fünf Medaillen, darunter drei goldene. Die 36-Jährige war elfmal Weltmeisterin im Ski-Langlauf.

"Man sollte keine vorschnellen Schlüsse ziehen. Diese Sperre erfolgt aus gesundheitlichen Gründen. Allerdings pendelt sich der Hämoglobinwert bei einem längeren Aufenthalt in der Höhe auf einen normalen Wert ein", sagte der deutsche Olympia-Arzt Georg Huber zu den Schutzsperren. Überschreitet die Hämoglobinkonzentration bei Frauen den Wert von 16,5 Gramm pro Deziliter, wird nicht nur eine Schutzsperre auferlegt sondern nach dem Reglement zusätzlich von den Athleten eine Urinprobe eingefordert. "Es ist natürlich schade für den Langlauf. Aber falls es sich bestätigt, dann zeigt das die Notwendigkeit der Kontrollen. Das Kontrollnetz wird immer enger, und das ist gut so", sagte Bundestrainer Jochen Behle.

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