Zeitung Heute : Zwei neue Frauen: Justiz und Familie

Brigitte Zypries (SPD/48) Renate Schmidt (SPD/58)

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Brigitte Zypries: Auf Hierarchien legte sie bislang keinen besonderen Wert. Für Brigitte Zypries zählt vor allem Effizienz. Jetzt soll die Juristin ihre Fähigkeiten als Justizministerin im Kabinett unter Beweis stellen. Die Generalprobe dazu hat sie schon bestanden. Ihr alter Förderer, Bundeskanzler Gerhard Schröder, machte die Staatssekretärin im Innenministerium zu seiner Chefbeauftragten für die Organisation der Hochwasserhilfe an der Elbe. Die Tochter eines Unternehmers aus Kassel leitete den zuständigen Ausschuss von Staatssekretären in Berlin mit fester Hand.   

 Schröder hatte schon früh ihre Talente entdeckt. Vor elf Jahren warb er Zypries vom Bundesverfassungsgericht, wo sie nach dem zweiten juristischen Staatsexamen als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig war, nach Hannover ab. Stationen dort waren Abteilungsleiterin in der Staatskanzlei und im Arbeitsministerium. Seit November 1998 war sie im Haus von Otto Schily leitend tätig. Für höhere Aufgaben wurde die ledige Theaterliebhaberin immer wieder genannt. Bei Mitarbeitern galt Zypries schnell als pragmatisch, unkompliziert und durchsetzungsstark. In der SPD verfügt die künftige Ministerin bis heute nicht über eine Hausmacht. Zypries fehlt auch sozialdemokratischer Stallgeruch. Ihr Ansehen fußt auf ihrer effizienten Arbeit, bislang im Schatten anderer.

Renate Schmidt: Sich selbst hat die umtriebige SPDFrau einmal „ein Familientier“ genannt. Jetzt hat Renate Schmidt ein überraschendes Comeback in der Bundespolitik als Familienministerin geschafft. Als dreifache Mutter, doppelte Großmutter und verwitwete Ehefrau bringt sie bei nahezu allen familien- und frauenpolitischen Themen eine gehörige Portion Lebenserfahrung mit. Zuletzt leitete die stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende die Familienkommission des Parteivorstands. Überraschend ist die Ernennung Schmidts aber auch deshalb, weil sie sich eigentlich aus der vordersten Front der Politik zurückgezogen hatte. In Bayern ist sie im Mai 2000 als Landesvorsitzende und Fraktionschefin zurückgetreten. Und auch als Bundesvorsitzende war sie zuletzt nur noch selten in Erscheinung getreten. Dennoch gehört sie zu den starken Frauen der SPD. Tsp/dpa

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